Des Seemanns Los, 1897

Stürmisch die Nacht und die See geht hoch, tapfer noch kämpft das Schiff.
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Quelle
eigene Notentitel-Sammlung
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Rubriken
Personen

Infos/Beschreibung

Das 1897 geschriebene Lied erschien mit deutschem Text unter dem Titel Des Seemanns Los:

1. Stürmisch die Nacht und die See geht hoch,
Tapfer noch kämpft das Schiff.
Warum die Glocke so schaurig klingt,
Dort zeigt sich ein Riff.
Brav ist ein Jeder an seinem Stand,
Ringt mit der See für’s Vaterland,
Dem Tode nah,
Furchtlos und mutig stehn alle da.
Laut ruft die Glocke jetzt über das Deck,
Nichts half das Kämpfen, das Schiff, es ist leck.
Macht Euch bereit,
Jetzt segeln wir in die Ewigkeit.
Gott sei mit uns.
Wir gehen schlafen am Grunde des Meeres,
Gott sei mit uns.

2. Als nun die stürmische Nacht vorbei,
Ruht, ach so tief das Schiff.
Dort ziehn Delphine und gier’ge Hai‘,
Rings am hohen Riff.
Von allen Menschen, so lebensfroh,
Keiner dem graus’gen Tod entfloh,
Dort unten auf dem Meeresgrund,
Schlummern sie friedlich mit bleichem Mund.
Still rauscht das Meer jetzt sein uraltes Lied,
Mahnend dringt es uns tief in’s Gemüt.
Seemann gib acht,
Horch, was der Wind und das Meer dir sagt:
Schlaft wohl, schlaft wohl,
Unter Korallen in friedlicher Ruh
Schläfst dereinst auch du.

1897 verfasste der Brite Arthur J. Lamb den Text Asleep in the Deep, den der Amerikaner Henry W. Petrie vertonte. Noch im selben Jahr erschien das Lied mit deutschem Text. In der Verlagswerbung auf der Rückseite der Notenausgabe ist Des Seemanns Los unter den Lied-Erfolgen aus dem Verlag Anton J. Benjamin aufgeführt. Es könnte genauso gut unter die Rubrik Volkstümliche Lieder für Konzert und Haus passen, für die der Verlag auf der zweiten Seite mit Notenbeispielen wirbt.

Im Zeitalter der Segelschifffahrt waren Stürme, hoher Seegang und Riffs die häufigsten Ursachen von schweren Unglücken. Alle drei Faktoren zusammen bedeuteten den sicheren Tod. Der Text spricht am Ende eine düstere Prophezeiung aus:

Seemann gib acht, horch, was der Wind und das Meer dir sagt:
… unter Korallen in friedlicher Ruh schläfst dereinst auch du.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte sich die Dampfschifffahrt weitgehend durchgesetzt. Die Verbesserung der Manövrierunfähigkeit bei stürmischer See und bei Ausweichmanövern waren ein deutlicher Fortschritt. Die Faszination der Verklärung des Seemanns-Schicksals am Grunde des Meeres hielt aber unvermindert an.

Das Lied von des Seemanns Los wurde zum Schlager, den viele Interpreten in ihr Repertoire aufnahmen. Ab den 50er-Jahren erlebte die Seefahrtromantik in der Schlagerwelt einen regelrechten Boom, allerdings mit einem neuen Schwerpunkt, dem Fernweh. Einer der Hauptvertreter war Freddy Quinn. Nach Schlagern wie Die Gitarre und das Meer und Junge, komm bald wieder tauchte dann irgendwann auch das Lied vom tragischen Seemanns Los wieder auf.

Siehe auch Transcription für Klavier zu 2 Händen.

HB
– Aufnahme auf Grammophon von 1916
– Aufnahme mit Freddy 1990er-Jahre
– als Zugabe: Heino auf Segelschiff Passat mit Akkordeonspieler und Shanty-Chor.

PDF
Noten, Ausgabe für hohe Stimme