Infos/Kommentar

Allg Dt Kommersbuch, Stempel
Allgemeines Deutsches Kommersbuch, handschriftlicher Eintrag und Stempel Sängerschaft Vandalia
Allg Dt Kommersbuch Stempel 2
Stempel Burschenschaft Vandalia

In diesem Exemplar des Allgemeinen Deutsche Kommersbuchs gibt es einen handschriftlichen Eintrag vom Besitzer (Februar 1924), darunter ein Stempel der Sängerschaft Vandalia Berlin (Fasanenstraße 23). Es gibt noch einen weiteren Stempel von der Burschenschaft Vandalia  Berlin.

 

 

 

Das Allgemeine Deutsche Kommersbuch ist klein, dick und schon von weitem an den herausragenden Biernägeln zu erkennen. Diese hatten eine Schutzfunktion, denn mit steigendem Alkoholpegel bildete sich bei den studentischen Saufgelagen auf den gescheuerten Holztischen so manche Bierlache. Durch die kleinen Noppen geschützt konnten die robusten Gesangbücher ruhig auf den Tischen liegen, ohne Schaden zu nehmen.

Seit der ersten Ausgabe 1858 wurde das Allgemeine Deutsche Kommersbuch über 160 Mal neu aufgelegt, was kein anderes deutsches Gesangbuch je geschafft hat. Der vorliegenden Ausgabe von 1922 ist das Vorwort der 100. Auflage aus dem Jahre 1914 vorangestellt. Darin werden zahlreiche Informationen zu Geschichte des Kommersbuches gegeben. Der Verfasser, der Historiker, Dichter und Burschenschaftler Eduard Heyck, war ab 1893 Herausgeber des Kommersbuches.

Titelei und Vorwort.

In welchen Geist das Gesangbuch wirksam sein soll, wird bereits in der Widmung zur ersten Ausgabe (1858) an Ernst Moritz Arndt klar formuliert:

Dies Buch soll ein Volksbuch und ein deutsches Buch sein, in jedem Hause willkommen. Die vaterländischen Schlachtlieder, bei deren Klange Deutschland wieder deutsch wurde und die bis zu unseren spätesten Enkeln hin nicht verstummen mögen, bilden den Anfang, wie alles Tuns und Dichtens das Gebet ist. Die Mitte enthält den lustig  freien Burschensang, das Jauchzen der Jugend, dem der erste Fleiß zur Seite gehen und dem männliche Werktüchtigkeit folgen muß, soll es nicht eitel sein. Den Schluß machen des Volkes eigene und seine Lieblingslieder, ein Griff aus seinem dichterischen Schatze, in dem sein inniges und reiches Gemüt sich widerspiegelt. (S. XI/XII)

Das fast 800 Seiten umfassende Gesangbuch ist in sieben Kapitel gegliedert:

  • Vaterlands-& Heimatlieder, S. 15
  • Festgesänge & Gesellschaftslieder, S. 137
  • Jugend & Erinnerung, S. 215
  • Liebe, Wein & Wandern, S. 309
  • Kneipe, S. 409
  • Volkslieder, S. 461
  • Allerhand Humor, S. 575

Das Inhaltsverzeichnis führt mehr als 800 Lieder auf.

Die Kapiteleinstiegsseiten sind von Adalbert [auch Albert] von Roessler illustriert. Alle mehr oder minder gängigen Vorstellungen von Vaterland, Heimat, Tapferkeit („Wir Deutsche fürchten Gott sonst Nichts“ auf der Klinge auf S. 15), Burschenherrlichkeit, Wandern, Kneipe, Wein, Weib, Gesang sowie Volkslied-Romantik werden bedient.

In einem Anhang ab S. 711 finden sich zahlreiche Rodenstein-Lieder des populären Biedermeier-Dichters Josef Victor von Scheffel. Es folgt ein Nachtrag mit 21 weiteren Liedern. Am Ende des Bandes sind Preiskompositionen abgedruckt, die aus dem Liederwettbewerb zur 100. Auflage hervorgegangen sind.

Der Einband der unterschiedlichen Ausgaben des Kommersbuches wurde oft individuell auf bestimme Abnehmer (Burschenschaften) abgestimmt, zum Teil als limitierte Geschenkausgaben.

Auf dem Einband der vorliegenden Ausgabe prangt die Parole Gaudeamus igitur, iuvenis dum sumus! „Lasset uns Freude haben, solange wir jung sind“ ist der Anfang eines 1781 in lateinischer Sprache verfassten Gedichtes von Christian Wilhelm Kindleben. Sein Text wurde zum erfolgreichsten und langlebigsten Studentenlied, er selbst starb im Alter von 37 Jahren. Veröffentlicht wurde Gaudeamus igitur in der 1781 von Kindleben herausgegebenen gedruckten Sammlung mit Studentenliedern, einem frühen Vorläufer der Kommersbücher.

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