
1920, Nachkriegszeit. Herman Frey dichtet:
Überall herrscht große Kohlennot, selbst im Himmel ärgern sie sich tot,
Petrus steckt nur dann und wann, hier und da ein Sternlein an.
Sparsamkeit ist oben auch beliebt, nur bis neun Uhr Sternenlicht es gibt.
Aber der Bummel-Petrus, der alte Schlawiner, macht das Beste draus, er schließt den Himmel ab und geht mit einem Engel bummeln. Als er morgens zurückkommt, ist der Schlüssel weg.
Was der Herrgott denken soll? Bummel-Petrus ist blamiert, weil er nachts herumpoussiert.
Hermann Frey war bekannt für seine skurrilen Ideen und für seinen Riecher für Schlager-Hits. Noch heute sind seine Erfolgstitel Immer an der Wand lang, Mein Papagei frisst keine harten Eier oder der Schieber-Maxe nicht vergessen.
Zum Freundeskreis von Frey zählten der Komponist Walter Kollo, die Volkssängerin Claire Waldoff und der Künstler Heinrich Zille.
Auf der Suche nach brauchbaren Melodien war der Texter Frey beim Komponisten Werner-Kersten vorstellig geworden. Dieser spielte ihm mehrere Nummern vor und Frey entschied sich für die Mühlenpolka. Die Szene wird in dem Buch Immer an der Wand lang so beschrieben:
„Die Nummer gefällt mir“, sagte Frey, „die mache ich“, worauf Werner Kersten mitleidig lächelnd sagte:
„Lieber Herr Frey, Sie enttäuschen mich voll und ganz. Man erzählt immer so viel von Ihrer ´Nase´ und Ihrem ´Fingerspitzengefühl´ für den Popularitätsbazillus. Die Nummer hier, die ´Mühlenpolka´ haben mir bisher nicht weniger als acht Verleger, nicht gerade mit Lobsprüchen, zurückgegeben.“ (S. 245/246)
Fingerspitzengefühl für den Popularitätsbazillus bewies dann später auch der Verleger Otto Wrede, der mit seinem noch vor dem Ersten Weltkrieg gegründeten Regina-Verlag nach 1918 immer besser ins Geschäft kam. Mit dem Bummel-Petrus hatte er sich den Top-Schlager der frühen 1920er-Jahre gesichert. Angeblich sollen weltweit mehr als zwei Millionen Exemplare der Klaviernoten verkauft worden sein.
Durch Frey kam auch der Kontakt zwischen Otto Wrede und Zille zustande. Zille gestaltete einige Noten-Titelblätter für den Regina-Verlag, u.a. zu den Frey-Titeln Maskenball im Ziegenstall und Mutter Adelheid. Das Zille-Titelblatt zu dem Schlager Was guckst du mir denn immer in die Bluse (von Hugo Hirsch) erschien im Arcadia-Verlag.

Der einprägsame Slogan Schlager von Wrede – singt Jeder und Jede ist eine Erfindung von Hermann Frey. Mit der Illustration von Heinrich Zille war dieser Werbetext auf zahlreichen Rückseiten von Notenausgaben zu finden.
Sicher haben Titelblätter von Zille zum Verkaufserfolg von Noten aus dem Otto Wrede Regina-Verlag beigetragen. Das Titelblatt vom Bummel-Petrus stammt allerdings von Paul Telemann.

Immer an der Wand lang – Allerlei um Hermann Frey, Dionysos Verlag Thulcke & Sohn, Berlin 1944 [1940]. Mit Bildern von Heinrich Zille.
Buchtitel: Heinrich Zille.
HB
Aufnahme Bummel-Petrus um 1923 mit der Künstlerkapelle Albert Dajos [Dajos Bela]
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