Steilvorlage für Steidl-Couplet: Immer an der Wand lang
Herman Frey schildert in dem Buch Immer an der Wand lang die Entstehungsgeschichte des Gassenhauers (S. 28 ff). Er war mit seinem Freund Walter Kollo mal wieder auf Riesenrummel – auf Hochdeutsch: Sauftour (1). In einer Kneipe hörte er einen schon nicht mehr nüchternen Pianisten penetrant die Zeilen trällern „Immer an der Wand lang, immer an der Wand lang.“ Frey zögerte nicht lange und kaufte vor Zeugen dem guten Pianisten die lebenslangen Rechte an der Textzeile für drei Mark ab. Das war gut angelegtes Geld.
Frey schrieb einen Text mit drei Strophen und dem acht Mal ertönenden Immer an der Wand lang im Refrain. Walter Kollo lieferte die Melodie. Das Lied war bereits kurze Zeit später ein bekannter Gassenhauser.
Ohne Zweifel hat der beliebte Sänger Robert Steidl zusätzlich zur Popularität des Liedes beigetragen. Seine Couplet-Fassung erschien im Universal-Verlag „Favorit“ in Berlin. Er selbst profitierte natürlich auch von der Popularität des Schlagers, den er zu einem Couplet mit eigenen Strophen erweiterte. Die neuen Verse sind auf einem eingelegten Textblatt in der Notenausgabe abgedruckt.

Auf dem Titelblatt der Notenausgabe ein Foto des eleganten Sängers Robert Steidl, wie immer mit Frack und Zylinder.
Das Verlags-Logo unterscheidet sich von einer weiteren Ausgabe des Titels.

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(1) Diese Touren sind auch Themea der 3. Strophe:
So sumpf ich alle Nächte weiter, solide sein ist mir ein Graus.
Den Affen, den ich Nachts mir kaufe, den schlaf ich mir am Tage aus.
Doch kommt dereinst die letzte Stunde und ruft mich ab der Sensenmann.
Dann tret‘ vergnügt ich, wie im Leben, den Bummelgang zum Petrus an.
Am Himmelstore will ich pochen und bitten: „Alter lass mich rein!“
Wer viel geliebt, so steht geschrieben, dem soll auch viel vergeben sein.
Und dann schleich ich still und leise
immer an der Wand lang, immer an der Wand lang,
Heimwärts von der Lebensreise
immer an der Wand lang, immer an der Wand lang.
Schimpft auch drunten meine Olle
immer an der Wand lang, immer an der Wand lang,
Ja ick war ne dolle Bolle,
immer an der Wand, der Wand entlang,
HB
Aufnahme um 1909 [?] mit F. Traube
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