Die Haselnuß, o.J. [1904 ?]

bezeichnet als
Musik von
Text von
Titelblatt von
Ort
Jahr
um
1904
Verlags-Nr.
E.B. 438
Anmerkungen
Opus 64

Infos/Kommentar

Über die kulturgeschichtliche Bedeutung der Haselnuss könnte man dicke Bücher schreiben. Sowohl die Früchte des Strauches als auch nur einzelne Zweige dienten als Symbol für Glück, Frieden, Fruchtbarkeit, Liebe, Sexualität, Gesundheit und Heilkraft. Letzteres wurde allerdings schon im Hochmittelalter von Hildegard von Bingen vehement bestritten: Der Haselbaum ist ein Sinnbild der Wollust, zu Heilzwecken taugt er kaum.

Fast 900 Jahre später textet der Dichter Walther Paulus: O Haselnuss, o Haselnuss, du bitterböser Baum. Das, was sich bei ihm im Wald allein zu zwei´n unter einem Haselstrauch abspielt, bringt er in drei Strophen:

O Haselnuss, o Haselnuss, du bitterböser Baum, wir kamen so ins
[1.]  Lachen
[2.]  Küssen
[3.]  Schlafen
und wussten´s kaum.

Das Ganze wird auf dem Cover ein wenig hochtrabend als Dichtung eingestuft.

Das Titelbild zeigt das Paar nicht etwa im Wald unterm Haselstrauch, sondern züchtig auf einer Bank in einer Parklandschaft – allerdings umrankt von Haselnusszweigen..

Das Duett ist nicht datiert, Opuszahl und Anzeige auf der Rückseite lassen auf eine Einordnung um 1904 schließen. Der Komponist Oscar Straus hatte 1901 seine Zusammenarbeit mit Ernst von Wolzogen beim Überbrettl begonnen, seine großen Operettenerfolge standen noch aus.

Im Notenteil sind verstreut kleine Anzeigen zu finden, die einen Ausschnitt aus dem breiten Spektum des Theaterverlages Eduard Bloch zeigen:

Wer als Gast zu Polterabend oder Hochzeit eingeladen ist …,

… wer auf Liebhaberbühnen Theater spielen will …,

... wer in lustiger Gesellschaft musikalischen Ulk vortragen will …,

... wer für Damen allein Gesangsaufführungen braucht …,

... der wird bei Eduard Bloch fündig.

Auf der Rückseite werden Musiktitel aus dem Bunten Theater annonciert, Überbrettl-Gesänge von Oscar Straus und James Rothstein zu Texten von Walther Paulus, Peter Schlemihl, Ernst von Wolzogen, Wilhelm Schulz und Rudolf Alexander Schröder.

PDF
Noten Klavier mit Sologesang „Er“ und „Sie“