Lieblinge der Volkskonzerte, Bd. 9, o.J.

Musikalische Nippsachen
bezeichnet als
Musik von
Text von
Titelblatt von
weitere Personen
Ort
Jahr
k.A.
Verlags-Nr.
C. 3984 R.
Anmerkungen

Infos/Kommentar

Musikalische Nippsachen – wunderschöne Wortschöpfung!

Symphonische Volkskonzerte waren ursprünglich Veranstaltungen mit Orchestern und Chören, bei denen symphonische Musik und Oratorien dargeboten wurden – gegen einen geringen Eintritt oder sogar kostenlos. Damit sollte das sogenannte „einfache Volk“ erreicht werden. Heute würde man sagen, man wollte bildungsferne Schichten an klassische Musik heranführen.

Der Begriff „Genrestücke“ wurde von Musikverlag C. Rühle in Leipzig mit einer mehrbändigen Reihe aufgegriffen. Jeder Band enthält 10 bis 12 sogenannte „Da Capo-Stücke“. In der Verlagsanzeige auf der Rückseite heißt es: Diese Sammlung … wirkt auch am Pianoforte, also im häuslichen Kreise, lust- und freudeerregend!

Die obere Hälfte des Titelblattes zeigt einen Ausschnitt aus einem Volkskonzert. Die Musiker sind aufgeteilt, links die Streicher, rechts die Bläser, so wie es dem Zeichner in den Sinn kam. Alle sitzen aufrecht. Die stramme militärische Haltung wird durch die uniformierte Kleidung mit den Epauletten verstärkt. Der Dirigent blickt ins Publikum.
Auf der unteren Hälfte ist der Inhalt des Heftes aufgeführt. Neben Paraphrasen, Intermezzi, Charakter- und Salonstücken finden sich auch so fantasievolle Bezeichnungen wie Melodien-Kongress über Rossinische Oper, Jagdstück in Marschform, Sommernachts-Idylle oder Salon-Polka-Mazurka.

Die Zeichnung ist mit Brandt & Co. Leipzig signiert.

Martin Kirschstein
Martin Kirschstein

Übrigens …
… wurde 1891 in Hamburg auf Initiative des Hamburger Lehrer-Gesangvereins das erste Volkskonzert durchgeführt. 1929 legte die Vereinigung für Volkskonzerte in Hamburg in einer Schrift eine erfolgreiche Bilanz über ein Vierteljahrhundert Volkskonzerte vor, in der alle Programme von 1903 bis 1928 dokumentiert sind. Zu Beginn des Bandes werden Volkskonzerte als musikalische Veranstaltungen mit ausschließlich künstlerischen Absichten für die minderbemittelten Schichten der Bevölkerung definiert. Zum Hamburger Lehrer-Gesangverein und seinen Intentionen heißt es: Sie erblickten in richtig aufgezogenen Volkskonzerten eine unentbehrliche Waffe wider musikalische Unkultur.
(Martin Kirschstein: Fünfundzwanzig Jahre Volkskonzerte in Hamburg, Hamburg 1929, 102 Seiten)

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