Sonja, 1920

Russische Ballade
bezeichnet als
Musik von
Titelblatt von
weitere Personen
Jahr
1920
Verlags-Nr.
W.B.V. 212
Anmerkungen
op. 98

Infos/Kommentar

Das Titelblatt von Marcel Vertes, eine Lithographie in Ziegelrot und Blauschwarz, hat etwas Bedrohliches. Die Silhouette des gewaltigen Sakralbaus soll eine orthotoxe Kirche darstellen, was zwar zu einer Russischen Ballade, aber nicht zu dem Lager in den sich endlos dehenden Steppen Sibiriens des Textes passt.

Dieses Notenblatt steht ganz im Fokus des Texters Friedrich Löhner-Beda.

Auf der Rückseite gratuliert der Verlag dem lieben Mitarbeiter, Herrn Dr. Fritz Löhner-Beda zum  50. Lied, das von ihm im Wiener-Bohême-Verlag erschienen ist: Wenn ich dich seh´, da muss ich weinen. Der Titel kam allerdings erst 1923 heraus, Sonja aber bereits 1920. Der Widerspruch ist damit zu erklären, dass beim Nachdruck von Notenausgaben die Werbung immer wieder aktualisiert wurde. Unter den 50 Beda-Schlagern, die alle in der Anzeige aufgeführt sind, befinden sich einige, die erst nach 1920 auf den Markt gekommen sind.

Das als Russische Ballade bezeichnete Lied handelt von einem Sträfling, der in Sibirien gefangen gehalten wird, weil er zum Mörder am Liebhaber seiner Frau geworden war. In seinem Fieberwahn sieht er das Mädchen Sonja und singt ihr ein Lied, das mit den Worten endet: … Höre meine Stimme rufen, höre meinen Fluch, eh´mich deckt Sibiriens Leichentuch.

Die Hoffnungslosigkeit in einem Gefangenenlager beschreibt Beda in der ersten Strophe:

Endlos, endlos dehnen sich die Steppen
vom ew´gen Schnee Sibiriens bedeckt,
die Felsen ragen wie der Hölle Treppen,
kein Sonnenstrahl ein Blumenauge weckt;
die Hütte hüllt der Schnee bis an die Fenster
und drinnen hockt ein Mann in Sträflingstracht …

Wenn man weiß, dass der Texter Beda etwas über 20 Jahre später selbst in einem Lager zu Tode kam, dann bekommt die erste Strophe dieser Ballade noch einmal ein andere Bedeutung.

HB
Sonja, nur 1. Strophe und Refrain mit dem Tenor Johannes Müller