Das Duo Schlagerkomponist Artur Marcell Werau und Schlagertexter Fritz Löhner-Beda hatte bereits im Ersten Weltkrieg schon manchen Erfolgstitel herausgebracht, darunter den populären Kriegsschlager Rosa, wir fahr´n nach Lodz.

Vorliegender Titel Wenn ich dich seh´, da muss ich weinen erschien 1923 als 50. Beda-Schlager im Wiener Bohème-Verlag. Dazu brachte der Verlag eine ganzseitige Anzeige heraus (siehe Rückseite des Titels Sonja).
Bei dieser Ausgabe ist auf der Rückseite der Wiener Bohème Bilderbogen No. 1 abgedruckt. Zu jedem der sechs Notenausschnitte gibt es jeweils eine Karikatur.

Der Zeichner interpretiert die Schlagertitel auf ungewöhnliche Art und Weise, wenn ihm zum Beispiel zur Liebesbekundung Wo hast Du nur die schönen blauen Augen her, so treu, so lieb, so rein? folgendes Bild einfällt.

Zum vorliegenden Schlagertitel Wenn ich dich seh, da muss ich weinen textet Beda folgenden Refrain:
Wenn ich dich seh, da muß ich weinen,
wenn ich dich seh´, wird´s Herz mir schwer!
Du bist so keusch, du bist die Reinste aller Reinen,
oder irr´ ich mich? Dann blamier´ ich mich sehr!
Dely nimmt mit seinem Titelblatt den Schlagertitel auf die Schippe, indem er einen Hund zeigt, der beim Anblick des Bildnis´ der angebeteten Hündin Krokodilstränen weint und sich in einem See seiner Tränen nasse Füße holt. Im Bilderbogen auf der Rückseite gibt es im Inflationsjahr 1923 hingegen eine aktuelle politische Anspielung – beim Blick aufs Kursblatt kommen dem Mann die Tränen.

Da beweist nicht nur der Zeichner viel Humor, sondern auch der Verleger Otto Hein, der diese hintergründige Art der Werbung anscheinend durchaus gewünscht hat.
HB
Wenn ich dich seh, da muss ich weinen, Aufnahme mit Marek Weber
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Wiener Bohème Bilderbogen No. 1