Auf de schwäbische Eisenbahne, 1915

Auf de schwäbsche Eisenbahne
bearbeitet von
Quelle
eigene Sammlung
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Aspekte
Personen

Infos/Beschreibung

Das Motiv mit dem Geißbock, der an den letzten Eisenbahnwagen angebunden ist, gab es in vielen Ansichtskarten-Varianten. Dazu sind auch unterschiedliche Text-Auszüge im Umlauf gewesen.

D schwäbsche Eisebahne um 1905
D´ schwäb´sche Eise´bahne um 1905

Zu dem Motiv auf der Karte III aus dem Verlag J. Junginger, Stuttgart (vermutlich 1905) lautet der Text:

Einen Bock hot er gekaufet,
Und dass ihm net verlaufet,
Bindet ihn der gute Mann
Hinte an de Wage nan.

Böckle, thu no woidle springe,
Z´fressa wur´ i dir schau bringe;
Also schwätzt der gute MAnn
Und zünd´t sein Maserpfeifle an.

Als der Zug no wieder staut,
Der Bauer nach seim Böckle schaut,
Findet er no Kopf und Soil
Hinte an dem Wagentoil.

Eine andere Karte, die am 30.7.1930 geschrieben wurde, bringt eine andere Textvariante:

Als des Zügle wieder staut,
s’Bäuerle nach seim Böckle schaut:
Findet er bloß: Kopf ond Seil,
Hinte an dem Wagenteil!
Do packt de Baure a arger Zorn,
Er nimmt de Gaisbock an de Horn
Ond schmeißt en was er schmeiße ka
Dem Schaffner an de Ohre na!
Das war des Gaisbocks traurigs End!
Himmel-Stuegert-Sapperment!

Auf de schwäbsche 30 7 1930
Als das Zügle wieder staut, Ansichtskarte, gelaufen am 30.7.1930

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Illustration zeigt ein interessantes Detail, das man leicht übersieht. Rechts oben ist ein Zeppelin zu sehen, also der krasse Gegensatz zur betulichen Eisebahne. Das Schild Friedrichhafen am rechten Rand deutet auf die Stadt, in der die Zeppeline gebaut wurden.

 

Auf der schwäbsche Eisenb 1981 05 25 AK
Auf de schwäbsche Eisebahne, Ansichtskarte, Spiegel 25.5.1981

 

Auf der schwäbsche Eisenbahne 200
Liedpostkarte Schwäbische Eisenbahn, Serie Nr. 200 in 4 Bildern

Der Text lautet:

Als des Zügle wieder staut,
’s Bäuerle nach seim Böckle schaut:
Findet er bloß: Kopf ond Seil,
hinte an dem Wageteil!

Do packt de Baure a arger Zorn,
er nimmt de Gaisbock an de Horn
Schmeißt en was er schmeiße ka,
dem Schaffner an de Ohre na!

Des ist des Liedle von dem Baure,
der sein Gaisbock hat verlaure;
Gaisbock ond sei traurigs End:
Himmel-Stuegert-Sapperment!

So jetzt wär des Liedle gsonge,
hots Euch recht en d’ Ohre klonge
Stoßet mit de Gläser an uffs
Wohl der schwäbische Eisebahn!

Auf der schwäbsche Eisenbahne 201
Liedpostkarte Schwäbische Eisenbahn, 1. Serie (Serie 201 – in 4 Bildern)

Auf dieser Karte aus dem Jahre 1915 (Serie 201 – in 4 Bildern) fährt der Personenzug an einer geschlossenen Schranke vorbei. Am letzten Wagen der 4. Klasse steht Reutlingen als Zielort. Der Geißbock wird über die Gleise geschleift. Darunter steht folgender Text:

Auf de schwäbische Eisebahne
Wollt amol a Bäuerle fahre;
Geht an d` Kass ond lupft de Hut:
„A Bilette! Sind so gut!“
Einen Bock hot er gekauft,
Ond damit er net verlauft:
Bindet ihn der gute Ma
Hinte an de Wage na!

Mehr zum Lied.

Eine vollständige Textfassung mit 10 Strophen ist auf einer weiteren Liedkarte zu finden.

1. Auf de schwäb’sche Eisebahna,
do geit’s viele Haltschdaziona:
Schtuagert, Ulm ond Biberach,
Meckabeira, Durlesbach.
   : Trulla, trulla, trulla-la,
   trulla, trulla, trulla-la,
   Schtuagert, Ulm ond Biberach,
   Meckabeira, Durlesbach. :

2. Auf de schwäb’sche Eisebahna,
geit’s au viele Reschdraziona,
wo mer essa, trenka ka,
älles was der Mage ma. Trulla …

3. Auf de schwäb’sche Eisebahna,
derfet Küa und Ochsa fahra,
Alte, Jonge, Weib ond Ma,
älles was no zahla ka. Trulla …

4. Auf de schwäb’sche Eisebahna,
wollt amol a Bäuerle fahra,
got an Schalter, lupft da Huat:
„A Billetdle, send so guat!“ Trulla …

5. Einen Bock hat er gekaufet,
ond daß er ehm net vertlaufet,
bendet ehn der guate Ma
an de hentra Waga na. Trulla …

6. Böckle tua no woidle sprenga,
s’Fuader will i dir schau brenga;
setzt sich zu seim Weible na,
zend’t sei Tubakspfeifle a. Trulla …

7. Wia der Zug no duat akemma
ond der Bauer da Bock will nemma,
fendet er bloß Kopf ond Seil
an dem hentra Wagatoil. Trulla …

8. Do griagt er en grauße Zaura,
nemmt da Goisbock bei de Aura,
schmeißt en, was er schmeiße ka,
em Konduktör an Ranza na. Trulla …

9. So, du kasch da Schada zahla,
worom bisch so schnell au g’fahra;
du alloi bisch schuld dara,
daß i de Bock verlaura ha. Trulla …

10. Des isch d’Gschicht von sellem Baura,
wo sein Goisbock hot verlaura.
Böckle hot a traurigs End,
Hemmel-Schtuagert-Sapperment. Trulla…

Die Ansichtskarte wurde im Jahre 1969 verschickt. Man kann auf der Bildseite die vier Bahnhöfe von Schtuagert, Ulm, Biberach und Meckebeira erkennen. Auf alle Haltschdazionatatione herrscht reger Betrieb. Da ist noch nichts von Stuttgart 21 zu ahnen, obwohl es bereits ein Jahr später die ersten Vorplanungen gab, die Fernverkehrsstrecke aus Richtung Mannheim nach Ulm unter den Stuttgarter Hauptbahnhof zu verlegen.

Die Karte zum Lied scheint für das Jahr 1969 auch aus einem anderen Grund ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein. In Stuttgart fand vom 16. – 20. Juli der viel beachtete 14. Deutschen Evangelischen Kirchentag (siehe Poststempel) statt, der von Themen bestimmt wurde, die durch die Studentenbewegung angestoßen waren. Aus Brot für die Welt wurde die Forderung Rot für die Welt. Und Hunger nach Gerechtigkeit wurde zu Durst nach Revolution umgetextet. Im Blog der Evangelischen Kirche im Rheinland heißt es dazu:

Für jeden etwas dabei. Das Spektrum der Arbeitsgruppen des Stuttgarter Kirchentags […] war kaum zu überbieten: Gottesfrage, Streit um Jesus, Kirche, Der Einzelne und die Anderen, Demokratie, Gerechtigkeit in einer revolutionären Welt, Tribunal zur Ermittlung des Glücks sowie Christen und Juden.

Auf de schwäbsche a
Auf de schwäb´sche Eisebahne, Liedtext auf Rückseite

 

Auf de schwäbsche b
Auf de schwäb´sche Eisebahne, Liedtext