An der schönen blauen Donau, Ansichtskarte, o.J.

Donau so blau, durch Tal und Au
Musik von
bearbeitet von
Quelle
Sammlung Engel
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
Rubriken
Aspekte
Personen

Infos/Beschreibung

Mit den Legenden rund um den Donauwalzer könnte man nicht nur mehrere Bücher füllen, man hat es auch gemacht. Es ist kaum möglich, zwischen wirklichen Begebenheiten, Übertreibungen oder erfundenen Geschichten die Wahrheit herauszufinden. Manche Anekdoten wurden so lange kolportiert, bis die Story so schön war, dass man sie einfach glauben wollte. Dass Brahms einen D-Dur Dreiklang, den Anfang des Donauwalzers, auf einem Bierdeckel notiert haben soll und darunter den Satz „Leider nicht von mir“, klingt doch gut. Aber war es wirklich ein Bierdeckel? Oder die Speisekarte? Andere wissen von einer Serviette oder einem Fächer einer verführerischen Dame. Oder stimmt nichts von allem?

Wahr ist, dass der norddeutsche Komponist Johannes Brahms die Leichtigkeit der Musik des befreundeten Wiener Kollegen Johann Strauß sehr bewundert hat und dass die Wertschätzung gegenseitig war. Und Brahms hielt sich gerne in der Strauß-Villa in Bad Ischl auf.

Wiener Walzer ins All HAZ 2 6 2025
Wiener Walzer ins All, HAZ vom 2.6.2025

Wie die erste Aufführung des Donauwalzers durch den Wiener-Männer-Gesang-Verein am 15. Februar 1867 im Dianabad-Saal beim Publikum angekommen ist, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Von enthusiastischem Applaus (Wikipedia, Artikel zum Dianabad) zu sprechen, scheint allerdings arg übertrieben. Die Gesangsnummer war wohl nicht der große Renner, was man nachvollziehen kann, wenn man Chor- und Orchesterfassung vergleicht.

Der große Durchbruch kam wenige Monate später mit der Weltausstellung in Paris. Strauß war ohne eigene Kapelle angereist und konnte mit der Bilse´schen Kapelle auf ein gutes Orchester zurückgreifen. Der Donauwalzer wurde von der Presse gefeiert, was sich wiederum bis nach Wien herumsprach.

Die Erfolgsstory liest sich bei Otto Schneidereit so:
Der Pariser und der Wiener Erfolg weitete sich zu einem Welterfolg aus. Täglich gingen im Verlag Spina Tausende von Bestellungen aus allen Teilen der Erde ein. Monatelang wurden in der Druckerei des Verlages nichts als Exemplare der „Blauen Donau“ hergestellt – wie damals üblich, vermittels Kupferplatten. Bisher hatte für einen Walzer eine Platte gereicht, von der an die zehntausend Abzüge gemacht werden konnten. Bei der „Blauen Donau“ wurden über hundert solcher Platten verbraucht – ein unglaublicher Fall. (Johann Strauss, Berlin 1975, S. 123)

Die weltweite Popularität hat nun schon mehr als 150 Jahre angehalten. Der Donauwalzer hat in einer ewigen Top Ten der berühmtesten Orchesterwerke (nicht Chorwerke !) einen sicheren Platz und man kann „weltweit“ sogar wörtlich nehmen. Denn im Juni 2025 ging durch die Presse, dass sich der Walzer An der schönen blauen Donau auf einer Reise ins All befindet, zur 25 Milliarden Kilometer entfernten Raumsonde Voyager 1.

Zum Liedtext auf der Ansichtskarte

Auf der hier vorliegenden Karte An der schönen blauen Donau (gestaltet von A. Broch) ist der Text von Franz von Gernerth abgedruckt. Die ersten Text-Fassungen für Männerchor von Josef Weyl waren gespickt mit aktuellen Anspielungen. Um aus der Tagesaktualität herauszukommen, schrieb Franz von Gernerth einen allgemein gehaltenen Text. Dieser hat sich auch bei den Arrangements für Männer,- Frauen-, Kinder- und gemischte Chöre durchgesetzt.

Donau so blau,
Durch Tal und Au,
Wogst ruhig du hin,
Dich grüßt unser Wien,
Dein silbernes Band
Knüpft Land an Land,
Und fröhliche Herzen schlagen
An deinem schönen Strand.
Weit vom Schwarzwald her
Eilst du hin zum Meer,
Spendest Segen allerwegen,
Ostwärts geht dein Lauf,
Nimmst viel Brüder auf:
Bild der Einigkeit für alle Zeit.
Alte Burgen seh’n nieder von den Höh’n,
Grüßen gerne dich von ferne,
Und der Berge Kranz, hell vom Morgenglanz
Spiegelt sich in deiner Wellen Tanz.

Die Nixen auf dem Grund,
Die geben’s flüsternd kund,
Was Alles du erschaut,
Seitdem über dir der Himmel blaut.
Drum schon in alter Zeit
Ward dir manch‘ Lied geweiht,
Und mit dem hellsten Klang
Preist immer auf’s Neu‘ dich unser Sang.
Halt´ an deine Fluten bei Wien,
Es liebt dich ja so sehr
Du findest, wohin du magst, zieh’n,
Ein zweites Wien nicht mehr.
Hier quillt aus voller Brust
Der Zauber heit’rer Lust,
Und treuer deutscher Sinn
Streut aus seine Saat von hier weithin.

Du kennst wohl gut deinen Bruder, den Rhein
An seinen Ufern wächst herrlicher Wein,
Dort auch steht bei Tag und bei Nacht,
Die feste treue Wacht.
Doch neid‘ ihm nicht jene himmlische Gab‘
Bei dir auch strömt reicher Segen herab,
Und es schützt die tapfere Hand
Auch unser Heimatland.
Drum laßt uns einig sein,
Schließt Brüder fest den Reih’n,
Froh auch in trüber Zeit,
Mut, wenn Gefahr uns dräut!
Heimat am Donaustrand, bist uns’rer Herzen Band;
Dir sei für alle Zeit Gut und Blut geweiht!

Das Schifflein fährt auf den Wellen so sacht,
Still ist die Nacht, die Liebe nur wacht,
Der Schiffer flüstert der Liebsten ins Ohr,
Daß längst schon sein Herz sie erkor.
O Himmel sei gnädig dem liebenden Paar,
Schütz‘ vor Gefahr es immerdar!
Nun fahren dahin sie in seliger Ruh
Schifflein fahr´ immer nur zu!
Junges Blut, frischer Mut,
O wie glücklich macht,
Dem vereint ihr lacht!
Lieb´ und Lust schwellt die Brust,
Hat das Größte in der Welt vollbracht.

Nun singst ein, seliges Lied,
Das wie Jauchzen die Lüfte durchzieht,
Von den Herzen laut wiederklingt
Und ein festes Band um uns schlingt.
Frei und treu in Lied und Tat,
Bringt ein Hoch der Wienerstadt,
Die aufs Neu‘ erstand voller Pracht
Und die Herzen erobert mit Macht.
Und zum Schluß bringt noch einen Gruß
Uns’rer lieben Donau, dem herrlichen Fluß!
Was der Tag uns auch bringen mag
Treu und Einigkeit
Soll uns schützen zu jeglicher Zeit,
Ja Treu und Einigkeit!

Audio/Video
– Chorfassung: An der schönen blauen Donau, Aufnahme mit dem Wiener Männer-Gesangverein, Text von Franz von Gernerth
– Orchesterfassung: An der schönen blauen Donau, Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Erich Kleiber