Das Lied vom Hindenburg, 1914

Wer hält im fernen Osten vor unsrer Türe Wacht?
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Quelle
Schwert und Leier Band 2, 1914
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1914 – 1918
Rubriken
Personen

Infos/Beschreibung

Hindenburg ist nicht nur Namensgeber für zahlreiche Straßen, nach ihm sind sogar ganze Stadtviertel benannt (z. B. in Hannover).

Der Mythos Hindenburg geht auf die sogenannte Schlacht bei Tannenberg im Ersten Weltkrieg zurück. Hindenburg, der 1911 schon seinen Abschied aus der Armee genommen hatte, kehrte im Ersten Weltkrieg zum Militär zurück und wurde Oberbefehlshaber Ost. Im August 1914 siegten die deutschen Truppen über die russische Armee, es gab zusammen über 40000 Tote und Verletzte auf beiden Seiten.

Hindenburg ließ sich als Held von Tannenberg feiern. Verantwortlich für die gewonnene Schlacht waren die Strategen im Generalstab mit Ludendorff an der Spitze. Hindenburg soll mehrfach geäußert haben, dass er die Schlacht verschlafen habe. Seine Popularität konnte dadurch nicht erschüttert werden.

Verstand es Hindenburg meisterhaft, sich für Erfolge anderer feiern zu lassen, so wusste er ebenso bei Misserfolgen, die Schuld auf andere zu schieben. 1919 verabschiedete er sich zum zweiten Mal von der Armee. Der greise Heerführer zog sich zurück aufs Altenteil, ins Zoo-Viertel von Hannover. Sein Abschiedsgeschenk an die Nation: die Dolchstoßlegende. Danach wurde von der militärischen Führung die Schuld am verlorenen Krieg den demokratischen und republikanischen Kräften im Land zugeschoben, die angeblich dem Militär in den Rücken gefallen waren.

Mit der Dolchstoßlegende war der Ton gesetzt, der den antirepublikanischen und rechten Kreisen schon zu Beginn der Weimarer Republik viel Aufwind verschaffte.

Zu der medialen Vermarktung gehörten auch Lieder wie dieses, die den Mythos Hindenburg befeuert haben.

Wer hält im fernen Osten
vor unsrer Türe Wacht?
Wer steht auf seinem Posten
getreu bei Tag und Nacht?
Und streckt der Bär den Kopf hervor,
wer haut ihn tüchtig über´s Ohr,
dass ihm der Schädel kracht,
dass ihm der Schädel kracht?  

Der Hindenburg, der alte Reck´,
der Russentod, der Russenschreck,
der hält im deutschen Osten
vor unsrer Türe Wacht!

Der Urheber des Textes Anton Alfred Noder war von Beruf Arzt, der sich auch unter dem Pseudonym A. de Nora als Schriftsteller und Dichter betätigte. Zahlreiche Texte verfasste er für die Zeitschrift Jugend. Den Text zu dem Hindenburg-Lied schrieb er als 50-Jähriger im ersten Kriegsjahr 1914. Im selben Jahr erschien auch Das Soldatenbuch. Schöne und lustige Soldatenlieder von A. de Nora im Verlag Staackmann.

Vertont hat das Hindenburg-Lied H.[ermann] Mannfred.

Veröffentlicht wurde das Hindenburg-Lied 1914 in dem großformatigen Prachtband Schwert und Leier. Musikalischer Hausschatz zur Kriegszeit, Band 2.

Siehe auch Also sprach Bismarck.