Klein-Ilse, 1919

Klein-Ilse war ein Mädel aus echtem deutschem Holz
Musik von
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Quelle
Mosaik Band 2, S. 86
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1918 – 1933
Aspekte
Personen

Infos/Beschreibung

Klein-Ilse ist das letzte Lied in dem Band Mosaik mit 30 neuen Liedern und Chansons von Robert Stolz. Die Melodie ist volksliedhaft schlicht. Der Klaviersatz ist entsprechend sparsam gehalten, die rechte Hand spielt lediglich die Liedmelodie mit. Die Komposition trägt die Opuszahl 294. Das Lied ist alles andere als leichte Kost, die man von Robert Stolz gewohnt ist, der sich immer ausdrücklich als „unpolitisch“ bezeichnet hat.

Den Text lieferte Richard Rillo (1). Klein-Ilse wird im Untertitel als Kinderlied bezeichnet. Das bedeutet aber nicht, dass es zum Singen für die Kinder geschrieben wurde. Adressaten sind wohl eher erwachsene Menschen. Es ist ein anklagendes Lied, das auf eindringliche und schwer zu ertragende Weise klarmacht, welches Leid Kinder durch Krieg erleiden müssen. Die aufrüttelnde Botschaft ist auch gleichzeitig eine politische Aussage.

Klein-Ilse, 1919

Klein-Ilse war ein Mädel aus echtem deutschem Holz;
das Herzchen gut und edel, der Eltern höchster Stolz.
Sie saß am Schoß der Mutter des Abends still zu Haus
und plauderte den Weisheitsborn der sieben Jahre aus.
Doch winkt der Vater lachend, dann jauchzt die Kleine:
„Ja
nicht böse sein, Mamatschi, ich geh´ jetzt zum Papa!“

Den Vater rief der Kaiser in seinen Heeresbann.
Da ward´s im Hause leiser, es fehlt der Landsturmmann.
Und bald hat unser Mädi die Sehnsucht übermannt,
da schlich sie nachts im Schneesturm und wollt´ ins Polenland.
Am Bettchen lag ein Zettel mit krausen Zügen da:
„Nicht böse sein, Mamatschi, ich geh´ jetzt zum Papa!“

Sie haben sie im Fieber nach Haus ins Bett gebracht.
Da schien die Sonne trüber, weil Ilschen nicht mehr lacht.
Und als die Zeitung meldet, daß Vater draußen fiel,
da war Klein-Ilses Lebensweg just auch an seinem Ziel.
Sie haucht, die arme Mutter wußt nicht, wie ihr geschah,
„nicht böse sein, Mamatschi, ich geh´ jetzt zum Papa!“

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Noten Klein-Ilse
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(1) Veröffentlichte auch als Richard Rillo Loebel, später benutzte er wegen seiner jüdischen Herkunft ab 1933 das Pseudonym F. Reinhardt. Rillo schrieb in der frühen Tonfilmzeit viele Liedtexte zu Filmen, u.a. für Marlene Dietrich. Erfolgreichste Nummer von Rillo/Stolz: Komm in den Park von Sanssouci (1925)