Der Choral von Leuthen – Preis-Lied, 1899

Gesiegt hat Friedrich´s kleine Schaar. Rasch über Berg und Thal
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Festbuch zum Gesang-Wettstreit, Cassel 1899
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900
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Infos/Beschreibung

Anzeige Reinhold Becker Kompositionen
Anzeige im Festbuch des I. Gesang-Wettstreits, Cassel 1899

Der Choral von Leuthen war das Preis-Lied beim I. Gesang-Wettstreit Deutscher Männergesangvereine um den von Seiner Majestät dem Kaiser und König gestifteten Wanderpreis am 27. Mai 1899 in Cassel. Gedicht von Hermann Besser, componirt von Reinhold Becker.

Der Komponist des Preis-Lieds, Reinhold Becker (1842-1924), war in Dresden vor allem als Chorleiter und Musiklehrer bekannt. Seine Kompositionen wurden von der Hofmusikalienhandlung Adolph Brauer (F. Plötner) verlegt, die auch in einer Annonce im Werbeteil des Festbuchs vertreten ist.

Beim Choral von Leuthen denkt man sofort an die Hymne Nun danket alle Gott, gesungen nach siegreicher Schlacht. In der Tat geht es in dem Preis-Lied genau um das Singen jenes Liedes, wie es am 5. Dezember 1757 nach gewonnener Schlacht bei Leuthen von den Preußen gesungen wurde.

Gesiegt hat Friedrich´s kleine Schaar. Rasch über Berg und Thal
Von dannen zog das Kaiserheer im Abendsonnenstrahl:
Die Preußen steh´n auf Leuthen´s Feld, das heiss noch von der Schlacht,
Des Tages Schreckenswerke rings umschleiert mild die Nacht.

Soweit die Beschreibung der Ausgangslage. Dann verstummen die Preußen.

… So still, so ernst die Krieger all´, kein Lachen und kein Spott. –
Auf einmal tönt es durch die Nacht: Nun danket alle Gott.

Und dann wird mit voller Dramatik und gewaltigen Bildern beschrieben, wie sich aus der Stille ein mächtiger Chorgesang entwickelt. Man kann sich das so ähnlich wie bei einem Spontan-Flashmob vorstellen, nur nicht in der Fußgängerzone, sondern auf dem Schlachtfeld.

Der Alte, dem´s mit Macht entquoll, singt´s fort doch nicht allein.
Kam´raden um ihn her im Kreis, gleich stimmen sie mit ein,
Die Nachbarn treten zu, es wächst lawienengleich der Chor,
Und voller, immer voller steigt der Lobgesang empor.

Und stärker noch und lauter noch, es schwillt der Strom zum Meer,
Am Ende, wie aus einem Mund, singt rings das ganze Heer,
Im Echo donnernd wiederhallt´s das aufgeweckte Thal,
Wie hundert Orgeln braust hinan zum Himmel der Choral.

Halleluja, Halleluja!

Mit dem Siebenjährigen Krieg begann der Aufstieg Preußens zur Großmacht. Auch mit Blick auf den Sieg bei Leuthen wurde Friedrich II. von der Nachwelt als der Große und als Held gefeiert. Hundert Jahre später gab es eine neue Welle von Friedrich-Verehrung. Ein Beispiel dafür ist der Fridericus-Rex-Grenadiermarsch von Ferdinand Radeck aus den 1860er-Jahren. Der zugrunde liegende Balladen-Text Fridericus Rex von Willibald Alexis war vorher schon von Carl Loewe vertont worden.

Fridericus Rex, unser König und Herr,
der rief seine Soldaten allesamt ins Gewehr …

… Fridericus, mein König, den der Lorbeerkranz ziert,
ach, hätt’st du nur öfters zu plündern permittiert,
Fridericus Rex, mein König und Held,
wir schlügen den Teufel für dich aus der Welt.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Friedrich-Verehrung noch einmal richtig Fahrt auf. Dazu passt auch das Preis-Lied von Besser/Becker. Ein regelrechter Friedericus-Rex-Hype mit Romanen und Stummfilmen setzte nach dem Ersten Weltkrieg ein. Höhepunkt war dann 1933 der Film Der Choral von Leuthen, ein Historien-Spektakel auf der Grundlage des Romans Fridericus Rex von Walter von Molo.

Video
– Nun danket alle Gott
– Ausschnitt aus dem Film Der Choral von Leuthen (1933)

Der Choral von Leuthen Preis Lied
Der Choral von Leuthen, vollständiger Text