

Gewidmet ist das Liederbuch der ersten Schlaraffia-Vereinigung: Dere hohen Allmutter Praga submissest dediciret.
Der wunderschöne Innentitel ist signiert mit Litho der Grafirte und zeigt einige Insignien aus der Welt der Schlaraffen: Kunst, Musik, Dichtung, Humor und über allem der Uhu mit ausgebreiteten Flügeln.
Der Text auf dem Innentitel lautet:
Derer Schlaraffen Lieder
gesichtet und ediret unter Mitwirkung des
Rs. Quell der Gemälzte (Olomucia) von
R: Parsifal m. d. Kochlöffel (Prostana)
anno Uhui 1591
Der Ritter Parsifal mit dem Kochlöffel ist auch mit eigenen Liedmelodien im Liederbuch vertreten.

Das Liederbuch stammt von einem Männerbund namens Schlaraffia. Das hat nichts mit dem Matratzenhersteller zu tun. Diese Vereinigung ist auch keine studentische Verbindung und keine Loge, wie z. B. die Freimaurer. Ursprünglich im 19. Jahrhundert als Künstlervereinigung gegründet, widmet sich der noch heute aktive Männerbund Freundschaft, Kunst und Humor.
Die erste Schlaraffia-Gründung gab es 1859 in Prag, es folgten weitere in Berlin, Leipzig und anderen Städten, die Schlaraffen „Reyche“ genannt werden. Die Vereinigungen pflegen noch heute mittelalterlich anmutende Rituale und eine Sprache mit eigenen Redewendungen. Ihre Zeitrechnung setzt mit dem Gründungsjahr 1859 ein, das übliche Jahr 2026 ist bei Schlaraffia also das Jahr 167. Im 19. Jahrhundert war es noch komplizierter, denn alles wurde um 300 Jahre zurückgesetzt. Anno Uhui 1591 auf dem Innentitel besagt, dass das Liederbuch 1891 erschienen ist.

Die sprachlichen Wendungen und Begriffe sind für Außenstehende gewöhnungsbedürftig, über einige kann man schmunzeln. Ein Auto ist ein Benzinross, ein Reisebus ein Benzinelefant. Die Ehefrau wird Burgfrau, die Tochter Burgmaid und die Schwiegermutter wird Burgschreck genannt. Bei den Musikinstrumenten ist man besonders kreativ: eine Geige ist ein Seufzerholz, eine Gitarre ein Minneholz. Ob Cellisten wissen, dass sie ein Kniewinsel spielen? Der Begriff Ehé bedeutet übrigens Prost!
Das Vorwort gibt einen guten Einblick in die Sprache der Schlaraffen.
Zu den bekannten Mitgliedern der Schlaraffia gehörten u. a. die Musiker Erwin Bootz (Pianist der Comedian Harmonists), Nico Dostal, Franz Lehár und Oscar Straus.
Am 1.8.2026 erschien im WESER-KURIER ein sehr informativer Artikel von Marc Hagedorn über die Bremer Schlaraffen. Er beweist, dass die Ritter der geregelten Fröhlichkeit auch heute noch quicklebendig sind.
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