Der Mai ist gekommen, 1842

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus
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Sang und Klang fürs Kinderherz, 1909
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1800 – 1900

Infos/Beschreibung

Der Mai ist gekommen AK Hey 1916
Paul Hey: Der Mai ist gekommen, Ansichtskarte, gelaufen am 10.6.1916

Das Frühlingsgedicht Der Mai ist gekommen von Emanuel Geibel zählt neben Komm, lieber Mai, und mache zu den bekanntesten Mai-Liedern. [1]

Die Melodie zu dem Geibel-Gedicht (1841) schrieb Justus Wilhelm Lyra im Jahre 1842. Dazu merkt der Lied-Forscher Ludwig Erk an:
Lyra war s.Z. Student in Berlin und wurde später Pastor im Hannoverschen. Der überbescheidene Mann hatte in der erwähnten Sammlung [Deutsche Lieder nebst ihren Melodien, Berlin 1843], deren Mitherausgeber er war, seinen Namen an einer nur schwer auffindbaren Stelle versteckt. (…) Bei „Der Mai ist gekommen entlehnte er die ersten und die letzten vier Takte dem Volksliede „Dort unten im Thale läuft´s Wasser so trüb“. [2]

Wesentlich zur Popularität beigetragen hat nicht nur die volksliedhafte Melodie von Justus Wilhelm Lyra, sondern auch der Chorsatz von Friedrich Silcher.

Das Gedicht von Geibel hat sechs Strophen, in den Liederbüchern sind meist nur drei abgedruckt.

1. Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zuhaus;
wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

2. Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht?
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.       

3. Frisch auf drum, frisch auf drum im hellen Sonnenstrahl
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal.
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie ’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Richter Der mai ist gekommen AK Richter
Ludwig Richter, Der Mai ist gekommen, Ansichtskarte, gelaufen 19.5.1914

4. Und abends im Städtlein, da kehr ich durstig ein:
„Herr Wirt, eine Kanne, eine Kanne blanken Wein!“
Ergreife die Fiedel, du lust’ger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel, das sing ich dazu.

5. Und find ich keine Herberg, so lieg ich zu Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Frühe das Morgenrot mich wach.

6. O Wandern, o wandern, du freie Burschenlust!
Da weht Gottes Odem so frisch in die Brust,
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt!

Siehe auch Chorfassung von Leo Kieslich.

Zwei bekannte Künstler, Paul Hey und Ludwig Richter, haben das Lied auf ganz unterschiedliche Weise illustriert, wie man auf den Ansichtskarten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sehen kann. Die Darstellung von Paul Hey mit der lustigen Kinderschar, die im Mai in die Natur hinauszieht, ist auch in dem Liederbuch Sang und Klang fürs Kinderherz aus dem Jahre 1909 zu finden.
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[1] Beide Lieder weisen in formaler Struktur (a, a, b, a1) und Harmonik große Ähnlichkeit auf, obwohl Der Mai ist gekommen im Dreivierteltakt und Komm, lieber Mai, und mache im geraden 4/4-Takt steht. Die a-Teile sind taktweise mit T / T / D / T / harmonisiert, die b-Teile führen über die Doppeldominante und Dominante wieder zurück zur Tonika im a1-Teil.

[2] Erk´s Deutscher Liederschatz, Band 1 mit Anhang, um 1890, Anmerkung zu Lied Nr. 23