Salome Op. 355 (1), 1920

Orientalisches Lied und Foxtrot
bezeichnet als
Musik von
Text von
Titelblatt von
Ort
Jahr
1920
Verlags-Nr.
W.B.V. 42
Druckerei
Anmerkungen
Früher Hit des jungen Wiener Boheme Verlages / Opus 355 von Robert Stolz / Stempel Teuerungszuschlag

Infos/Kommentar

aus dem Zyklus mit Illustrationen zu Wildes Salome von Aubrey Beardsley

Die Salome im Schlager von 1920 hat eigentlich gar nichts mehr mit dem Salome-Mythos biblischen Ursprungs gemein. Ursprünglich endet die Geschichte mit der Enthauptung Johannes des Täufers. Fast alle späteren Ver- und Bearbeitungen des Salome-Stoffes sind nicht minder grausam, unabhängig davon, wem letztlich der Kopf abgeschlagen wurde. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte die Salome-Welle in allen Künsten einen Höhepunkt. Besonders die bildlichen Darstellungen einer verführerischen Femme fatale und die Präsentation eines abgetrennten Hauptes auf einem Tablett haben das Bild der Salome lange Zeit bestimmt.

Zwei herausragende Beispiel der Auseinandersetzung mit dem Salome-Stoff sind der Einakter Salome von Oscar Wilde und die gleichnamige Oper von Richard Strauss.

Dagegen wird im Schlager von Artur Rebner (Text) und Robert Stolz (Musik) aus dem Jahre 1920 lediglich nur noch der Name Salome für die Blume es Morgenlands und Göttin der Lust im Tanz verwendet. Der Text ist aus vielen Gründen hoch problematisch. Ein Forscher aus Wien sieht im Orient eine tanzende Frau und macht keinen Hehl daraus, dass er sie als ein Objekt seiner Begierde betrachtet, dass er sich notfalls auch mit Gewalt nehmen kann (sie muss er haben und sei´s mit Gewalt).  Ob dann Gewalt im Spiel war, bleibt offen. Für den Forscher war es eine Episode im fernen Orient. Die Frau hingegen wird  am Ende gesteinigt, weil sie sich mit dem Fremden eingelassen hat („Steinigt das Weib, das vergessen die Pflicht, schenkte dem Fremdling ihr Herz!“).

Still durch den Sand der Sahara dahin
Die Karawane sich zieht,
Welche der Forscher, der junge, aus Wien, F
ührt in ein neues Gebiet.
Plötzlich am Rand der Oase erspäht,
Was er geschaut nie zuvor.
Er sieht ein Weib, das jauchzend sich dreht
Zu der Araber Chor:

Salome – schönste Blume des Morgenlands.
Salome – wirst zur Göttin der Lust im Tanz!
Salome – reich den Mund mir wie Blut so rot.
Salome – deine Küsse sind süßer Tod!

Starr auf der nackten, gebräunten Gestalt
Haftet sein trunkener Blick.
Sie muss er haben und sei’s mit Gewalt,
Kost‘ es auch Ehre und Glück.
Nacht bricht herein, sinnbetörend und schwül,
Da schleicht zu ihr er ins Zelt
Und wie im Rausch erreicht er sein Ziel,
Haucht, da er heiß sie hält:

Salome – schönste Blume des Morgenlands.
Salome – du drehst heut‘ dich für mich im Tanz.
Salome – sollst nur einmal mir alles sein,
Salome – schenk dein Herz mir und werde mein.

Schwer ist sein Schlaf nach entnervender Nacht,
Schwer und von Träumen erfüllt,
Bis er von gellendem Schreien erwacht,
Das durch den Wüstensand schrillt:
„Steinigt das Weib, das vergessen die Pflicht,
Schenkte dem Fremdling ihr Herz!“
Und während jäh ihr Auge schon bricht,
Schreit er in tiefstem Schmerz:

Salome – schönste Blume des Morgenlands. (…)

Anscheinend hat zu Beginn der 1920er Jahre niemand Anstoß an diesem Text genommen. Salome wurde zu einem der erfolgreichsten Nachkriegs-Schlager. Die Wiener Stadt- und Landesbibliothek besitzt eine Ausgabe mit dem Aufdruck 160-180 Tausend, was für ein einzelnes Notenblatt schon eine außergewöhnlich hohe Verkaufszahl war. Es ist anzunehmen, dass in diesem Fall auch das Titelblatts des österreichischen Illustrators Gabor von Ferenchich wesentlich zu den hohen Auflagenzahlen beigetragen hat.

Die Rückseite eröffnet einen kleinen Einblick in das Verlagsprogramm des Wiener Bohême-Verlags um 1920. Der Preis aller Schlager-Ausgaben für Gesang und Klavier beträgt stolze 6.- Mark (netto), ein eingedrucktes Feld für den Teuerungszuschlag in Prozent ist offen gelassen. Bei den  Ausgaben für Salonorchester, Wiener Quartett, Zither, Laute oder Gitarre gibt es keine Preisangaben. Unter den annoncierten Autoren finden sich neben Robert Stolz u.a. Artur Rebner, Willy Engel-Berger, Gyula Geiger, Karl Hajós, Otto Stransky.

Als Verlagssitz werden die Mühlgasse 24 in Wien und der Fasanenplatz 15 in Berlin angegeben.

Salome (2) Orientalisches Intermezzo
Salome (3) tschechische Ausgabe

HB
Robert Stolz: Salome (Orchester-Version)

PDF
Verlagsverzeichis auf Rückseite