Zeitl. Einordnung
Das Gedicht Der gute Kamerad verfasste der 22-jährige Ludwig Uhland 1809 in Tübingen. Frankreich strebte in Europa nach der Vorherrschaft, eine Reihe von Dichtern bezogen Stellung gegen die französischen Herrschaftsansprüche. In vielen Regionen Europas herrschte Krieg. Im Mai 1809 erlitt Napoleon gegen Österreich in der Schlacht bei Aspern seine erste Niederlage.
Uhlands Gedicht Der gute Kamerad wurde nicht – wie immer wieder behauptet – von Friedrich Silcher vertont, sondern Silcher hatte 1825 die Melodie eines schweizerischen Volkslieds „bearbeitet“, woraus letztlich die bis heute bekannte Melodie-Fassung wurde.
An dem „Guten Kameraden“ scheiden sich die Geister. Die einen sehen darin – vor allem wegen der dritten Strophe – ein den Krieg verherrlichendes Lied, oder ihnen ist der Kameradschaftsbegriff suspekt. Anderen gilt das Lied als Mahnung und als Trauerlied, das an das Leid des Krieges erinnert.
Vereinnahmt wurde Der Gute Kamerad von allen möglichen politischen Schattierungen. Kurz vor und während des Ersten Weltkriegs fehlte das Lied in fast keiner Liedersammlung. Die hier vorliegende zweistimmige Fassung stammt aus einem Liederbuch für Schulen, das während des Ersten Weltkriegs von einem Lehrerverein (Hannover-Linden) herausgegeben wurde.
Ungefähr zur gleichen Zeit erschien im Musikverlag von Carl Rühle in Leipzig eine Bearbeitung des Liedes von Curt Manngold.

Es beginnt mit der Originalmelodie des Liedes Ich hatt´ einen Kameraden, die nach vier Takten abgewandelt wird. Im neunten Takt wird ein kräftiges Gloria, Victoria, mit Herz und Hand fürs Vaterland! angefügt. Zum dritten Teil wird übergeleitet mit dem Satz: Und die Vöglein im Walde, die singen ja so schön. Das Lied endet mit der bekannten Liedzeile: In der Heimat, in der Heimat, da gibt´s ein Wiederseh´n!
Durch das Potpourri von Marschliedern wird von dem ursprünglichen Uhland-Gedichttext in allen drei Strophen immer die letzte Zeile abgeschnitten und durch ein Gloria, Victoria ersetzt. Das führt besonders in der zweiten und dritten Strophe zu einer abstrusen Verbindung: Ihn hat es weggerissen, er liegt mir vor den Füßen. Gloria Victoria. Oder in Strophe 3: Kann dir die Hand nicht geben, bleib du im ewgen Leben. Gloria Victoria.
Das ist schon hart an der Grenze.
In der NS-Zeit diente das Lied vom guten Kameraden zur Verklärung von Sterben fürs Vaterland und Heldentod. In Liedersammlungen tauchte es meist im engeren Umfeld von Liedern auf, die deutsches Soldatentum, vaterländische Gesinnung und Naziideologie miteinander vermengten.
Eine vollkommen andere Fassung des Guten Kameraden lieferte zur gleichen Zeit Ernst Busch. Anlass war die Ermordung von Hans Beimler im Dezember 1936 im Spanischen Bürgerkrieg. Der deutsche Kommunist Hans Beimler war Politkommissar des Thälmann-Batallions der Internationalen Brigaden. Die genauen Umstände seiner Ermordung sind bis heute nicht geklärt. Manche behaupten, dass er von stalinistischen Kräften aus dem Weg geräumt wurde. Für Ernst Busch waren es Deutsche, die an der Seite der Franco-Faschisten kämpften, die ihn umgebracht hatten.
Eine Kugel kam geflogen
Aus der „Heimat“ für ihn her.
Der Schuss war gut erwogen,
Der Lauf war gut gezogen –
Ein deutsches Schiessgewehr.
Es ist nicht verwunderlich, dass es in der über 200-jährigen Geschichte des Uhland-Liedes auch zahlreiche Parodien gab.
Heute ist das Lied nur zu wenigen Anlässen zu hören, meist instrumental gespielt. Es gehört zum festen Repertoire am Volkstrauertag. Bei militärischen Gedenk- und Trauerfeiern wird es nach bestimmten, protokollarisch genau festgelegten Abläufen eingesetzt.
Bei den kursierenden Hörfassungen dieses hochemotionalen Liedes ist die Grenze zum Kitsch schnell überschritten.
HB
– Instrumentalfassung (Solotrompete) mit Textunterlegung
– Christlliche Lieder, Gottvertrauen, gesungen von Oswald Sattler
– Hans Beimler, Kamerad von Ernst Busch