Der Soldat hat einen Säbel (2), 1930

Der Soldat hat einen Säbel und er hat auch ein Gewehr
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Quelle
Zu Tee und Tanz, Band 15
Herkunft Region

Zeitl. Einordnung

1918 – 1933
Rubriken
Personen

Infos/Beschreibung

Der Soldat hat einen Säbel ist ein vermeintlich lustiger Marsch im 6/8-Takt. Es handelt sich um einen Schlager aus einem der frühen Tonfilme, Der keusche Josef, aus dem Jahre 1930. Die Hauptrolle des Schürzenjägers Juccundus von Müller spielte Harry Liedtke.

Der Titel von Kurt Schwabach (Text) und Anton Profes (Musik) reiht sich ein in die zahllosen Lieder und Schlager, die in der Zwischenkriegszeit Soldatentum und Uniform verherrlichten.

Der Soldat hat einen Säbel
und er hat auch ein Gewehr,
darum lieben alle Mädel ihn so sehr!
Jede ist sofort verschossen,
wenn er ihr ins Auge schaut,
darum hat er jeden Tag ´ne neue Braut.

In der ersten Strophe wird klargestellt:

Glaubt mir es auf´s Wort, 
es gibt nur Einen, der kriegt alle Weiber rum,
das, das, das ist der Soldat,
ich will Euch sagen warum: 
Der Soldat hat einen Säbel …

In der dritten Strophe werden Monarchie, Krieg und Republik angesprochen:

Welch ein Held war der Soldat
als Monarchie war und Krieg!
Dann war Krach plötzlich im Staat,
und dann kam die Republik!
Heut aber sind wieder alle Mädchen in jeden Soldaten vernarrt,
denn das ist eben bei uns
republikanische Art: Der Soldat hat einen Säbel …

Fazit: Wenn sich die Zeiten auch ändern, als Soldat in Uniform mit Säbel hat man Schlag bei den Frauen.

Ebenfalls im Jahr 1930 landete Herms Niel mit der Parole Es ist so schön Soldat zu sein, Rosemarie einen Riesen-Hit. Der spätere Kapellmeister Hitlers bei den inszenierten Massenspektakeln hieß eigentlich Hermann Nielebock. Mit seinen erfolgreichen Liedern und Schlagern war er ein Wegbereiter der Nazi-Diktatur – der lebendige Beweis, dass auch böse Menschen Lieder haben können.

Warum allerdings andere Autoren, wie zum Beispiel der Kabarett-Texter Kurt Schwabach, bei der Soldaten-Verherrlichung mitgemacht haben, lässt viel Raum für Spekulationen. Was mag Schwabach geritten haben, zwölf Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs, diesen Text zu schreiben? Drei Jahre später durfte er als Jude seinen Beruf in Deutschland nicht mehr ausüben. Er konnte sich nach England absetzen, musste aber wegen einer verweigerten Arbeitserlaubnis 1935 zurück nach Deutschland, wo die Verherrlichung des Soldatentums als Vorbereitung des nächsten Weltkrieges munter fortgesetzt wurde. 1937 konnte Schwabach auf abenteuerlichen Wegen und mit zwischenzeitlichen Verhaftungen nach Palästina fliehen. Kurt Schwabach, dessen Mutter und Schwester im KZ starben, ließ sich 1949 in Hamburg nieder. Er litt zunehmend unter Depressionen als Spätfolge der Verfolgung durch die Nazis. 1966 nahm er sich das Leben.

HB
Aufnahme mit dem Karkoff-Orchester (Refraingesang: John Hendrik), Zitat: Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren (bei 1:40)