Zeitl. Einordnung

Wenn der Tag erwacht, eh‘ die Sonne lacht,
die Kolonnen ziehn zu des Tages Mühn
hinein in den grauenden Morgen.
Und der Wald ist schwarz und der Himmel rot,
und wir tragen im Brotsack ein Stückchen Brot
und im Herzen, im Herzen die Sorgen.
O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
weil du mein Schicksal bist.
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen,
wie wundervoll die Freiheit ist!
O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen,
und was auch unsre Zukunft sei –
wir wollen trotzdem „ja“ zum Leben sagen,
denn einmal kommt der Tag – dann sind wir frei!
Unser Blut ist heiß und das Mädel fern,
und der Wind singt leis, und ich hab sie so gern,
wenn treu sie, ja, treu sie mir bliebe!
Und die Steine sind hart, aber fest unser Schritt,
und wir tragen die Picken und Spaten mit
und im Herzen, im Herzen die Liebe!
O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen …
Die Nacht ist so kurz, und der Tag ist so lang,
doch ein Lied erklingt, das die Heimat sang:
wir lassen den Mut uns nicht rauben!
Halte Schritt, Kamerad, und verlier nicht den Mut,
denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut
und im Herzen, im Herzen den Glauben!
O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen …
Weil der 1. Lagerführer, der SS-Mann Arthur Rödl, auch eine Lagerhymne haben wollte, wie sie andere Lager schon hatten, lobte er 1938 einen Wettbewerb aus. Er versprach 10 Mark als Belohnung für das beste Lied. Unter den eingegangenen Entwürfen befand sich auch das Buchenwald-Lied der beiden österreichischen Häftlinge Fritz Löhner-Beda und Hermann Leopoldi. Es gibt Berichte, dass sich ein Kapo mit guten Kontakten zur SS als Autor ausgab, wohl um die Siegprämie zu kassieren. Ob die SS von der wirklichen Urheberschaft gewusst hat, bleibt unklar.
Rödl benutzte das Buchenwald-Lied, um die Häftlinge auf besonders brutale Art zu quälen. Dazu gibt es einen Bericht von Stefan Heymann (erschienen in der Thüringer Volkszeitung v. 23.7.1945):

Fritz Löhner-Beda und Hermann Leopoldi waren bis zu ihrer Verhaftung im April 1938 in Wien als viel beschäftigte und anerkannte Künstler tätig. Sie wurden ins Konzentrationslager Dachau deportiert und von da im September 1938 ins Konzentrationslager Buchenwald verlegt. Der Musiker und Kabarettist Leopoldi hatte das Glück, dass seine Familie ihn aus dem KZ freikaufen und er nach Amerika emigrieren konnte. Der Operetten-Librettist (u. a. für Franz Lehár), Schlagertexter und Satiriker Löhner-Beda wurde im Oktober 1942 nach Auschwitz verschleppt, wo er im Dezember 1942 ums Leben kam.
HB
Buchenwald-Lied, Chor des Musikgymnasiums Schloss Belvedere, Weimar
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Buchenwald-Lied Melodie und Text vollständig