Dreimäderlhaus-Walzer, 1916

nach dem gleichnamigen Singspiel von Schubert-Berté
bezeichnet als
Titelblatt von
Jahr
1916
Verlags-Nr.
D. 5845.
Anmerkungen

Infos/Kommentar

1916 Dreimäderlhaus Schwammerl 1928
Illustrirte Zeitung, 15.11.1928, Sonderausgabe zum Schubert-Jahr, Schwammerl-Annonce

Der arme Franz Schubert, er konnte sich nicht wehren. Dass er mit seinen Opern zu Lebzeiten nicht landen konnte, war bitter. Zum Glück konnte er nicht ahnen, dass er 90 Jahre später als tragischer Held in einer Operette auftreten würde. Schubert starb 1828 im Alter von 31 Jahren.

Vier Jahre vor dem Schubert-Singspiel Das Dreimäderlhaus erschien 1912 der Roman Schwammerl von Rudolf Hans Bartsch, der das biedermeierliche Schubertbild über Generationen nachhaltig geprägt hat. Das Buch gehörte zu den absoluten Top-Sellern der Vorkriegszeit. Das war der Anfang einer beispiellosen Schubert-Vermarktung. Schubert-Liedtitel auf Ansichtskarten in beschaulich, idyllischem Umfeld erlebten einen wahren Boom. Kein Wunder, dass ein findiger Verleger auf die Idee kam, aus dem Roman-Stoff auch eine Operette zu machen. Das Libretto lieferten Heinz Reichert und Alfred Maria Willner nach der Romanvorlage. Die Musik von Heinrich Berté ist eigentlich keine echte Komposition, sondern eher ein Arrangement mit Liedern und Instrumentalkompositionen von Schubert.

Die Story ist kurz zusammengefasst: Mehrere Männer bemühen sich um drei Mädels (Hannerl, Haiderl und Hederl), einer von ihnen ist Schubert (Spitzname „Schwammerl“), der am Ende leer ausgeht. Hannerl nimmt Schuberts Freund Schober (klingt ja so ähnlich), der sie mit dem Schubert-Lied Ich schnitt es gern in alle Rinden ein betört. Als Trostpflaster bleibt dem Komponisten wenigstens seine Musik.

Mehr dazu siehe Ich schnitt´es gern in alle Rinden

Die Uraufführung des Singspiels fand 1916 im Raimund-Theater in Wien statt, das sich unter Direktor Wilhelm Karczag der Operette verschrieben hatte. Das Dreimäderlhaus wurde eine der erfolgreichsten Operetten-Produktionen des Raimund-Theaters. Ende gut? – Noch lange nicht!

Der Roman Schwammerl und das Singspiel Dreimäderlhaus waren erst der Anfang der Schubert-Vermarktung. Der vielbeschäftigte Wiener Arrangeur, Komponist und Dirigent Gustav Blasser schlachtete das Dreimäderlhaus wiederum für den hier vorliegenden, 12 Seiten langen Dreimäderlhaus-Walzer aus, eine Art Walzer-Potpourri. Auf dem Titelblatt taucht sein Name aber gar nicht auf, dort heißt es:

„Dreimäderlhaus-Walzer“
nach Motiven des gleichnamigen Singspieles
von Dr. A. M. Willner und Heinz Reichert.
Mit Benutzung des Romanes „Schwammerl“ von Dr. R. H. Bartsch.
Musik nach Franz Schubert.
Für die Bühne bearbeitet von Heinrich Berté.

Auf der ersten Notenseite erfährt man dann, dass es sich um eine Bearbeitung von Gustav Blasser handelt. Die Walzer sind mit Texten unterlegt. Beim zweiten Walzer heißt es zum Beispiel:

Schau, mein liebes Schätzchen,
schau, mein süßes Katzerl,
gib mir jetzt dein Pratzerl
und ein kleines Schmatzerl.
Kann dir ja nicht bös´ sein,
ich will generös sein,
lad zu einem Tänzchen gern dich ein!

Das Titelblatt von Otto Nowak zeigt Schubert in seiner typischen Hinterhof-Gartenidylle. Die drei Maderln Hannerl, Haiderl und Hederl sind klein dargestellt, für Schubert in unerreichbare Ferne gerückt.

Einen weiteren Hinweis auf die vielfältigen Möglichkeiten der kommerziellen Nutzung liefert die Rückseite der vorliegenden Notenausgabe. Dort bietet der Verlag Doblinger allein 70 (!) verschiedene Ausgaben an, u.a. für Klavier zu zwei und vier Händen, Violine, Gesang und Klavier, Zither, Großes und kleines Orchester, Salonorchester, Salonquartett, Schrammelquartett, Österreichische Militär- oder deutsche Infanteriemusik, Deutsche Blechmusik und ein Dreimäderlhaus-Lauten-Album für 2 Mark netto.

1928 wurde das Schubert-Jubiläums-Jahr gefeiert. Zahlreiche Presseorgane brachten Sonderausgaben heraus, so auch die Illustrirte Zeitung am 15.11.1928. Aus einer Annonce erfährt man, dass der Schwammerl-Roman von Rudolf Hans Bartsch mittlerweile eine Auflage von 200 000 Exemplaren erreicht hat.

Übrigens …
… gehörte das Dreimäderlhaus auch nach dem Zweiten Weltkrieg zu den beliebten Operetten. In teils provisorischen Spielstätten, wie zum Beispiel in Hannover-Linden in einem Saal der Hanomag-Fabrik, brachte das Thalia-Theater einen Tag nach der Eröffnung am 2.3.1947 das Schubert-Singspiel auf die Bühne. Nachzulesen im Digitalen Stadtteilarchiv Linden-Limmer.

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– Noten
– Rückseite Verlagswerbung