El choclo – Le vrai tango argentin, 1911

Argentinischer Original Tango
bezeichnet als
Text von
Titelblatt von
weitere Personen
Ort
Jahr
1911
Verlags-Nr.
E.A.S. 389
Druckerei
Anmerkungen
kA

Infos/Kommentar

1911 El choclo Tanzbeschreibung S 3
El choclo, Tanzbeschreibung auf Seite 3

Diese Ausgabe von 1911 beansprucht für sich, den echten argentinischen Tango zu präsentieren (Le vrai tango argentin). Dazu gibt es auf Seite 3 Anmerkungen und Beschreibungen von Tanzfiguren.

Der Tango argentino entwickelte sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in den Elendsvierteln von Buenos Aires. Die Hauptakteure gehörten fast alle der entwurzelten argentinischen Landbevölkerung an oder waren Einwanderer aus Europa.  Der Traum, am Rio de la Plata Arbeit und eine bessere Zukunft zu finden, ging für die meisten nicht in Erfüllung. Man lungerte in den Kaschemmen der Vorstädte herum. In den Slums entstand eine Poesie, die von Hoffnung und Verzweiflung, Melancholie und Sehnsucht geprägt war. Diese Grundstimmung war für den frühen Tango typisch, der von kleinen Instrumentalensembles mit Geige, Flöte, Harfe und Bandoneon gespielt wurde. Später wurde das für den Tango bestimmende Orquestra Tipica noch durch Piano und Bass ergänzt. Zentrales Tango-Instrument blieb das Bandoneon, das besonders gut die Stimmung der Tango-Poesie musikalisch umzusetzen vermochte.

Zunächst war der Tango ein Tanz der Unterschicht, der wegen als obszön empfundenen Tanzbewegungen in gehobenen Kreisen verpönt war. Als immer öfter auch in vornehmeren Lokalen Tangos gespielt wurden, änderte sich die Einstellung nach und nach.

Der Tango El choclo wurde 1903 von Ángel Gregorio Villoldo als Instrumental-Nummer komponiert. Da er selbst keine Noten schreiben und lesen konnte, erstellte sein Freund, der Komponist, Arrangeur und Pianist José Luis Roncallo eine Klavierfassung. Roncallo war es auch, der El choclo zum ersten Mal öffentlich vortrug, und zwar in einem Restaurant in Buenos Aires, in dem auch die Oberschicht verkehrte.

Nach Europa gelangte El choclo durch eine Tournee des Komponisten im Jahre 1907. Nach Paris eroberte der Tango weitere europäische Metropolen, sodass man noch vor dem Ersten Weltkrieg von einem regelrechten Tango-Fieber sprechen konnte. Dem stellte sich Kaiser Wilhelm entgegen, als er 1913 seinen Offizieren das Tango-Tanzen in Uniform untersagte. Aufhalten konnte er den Siegeszug des Tangos aber nicht.

El choclo wurde immer wieder, selbst 100 Jahre nach Erscheinen dieses Tangos, als Ausgangspunkt für alle möglichen Arrangements und Improvisationen genommen – nicht selten auch als Tanz-Performance.

Das Titelblatt wurde von Henri Armengol entworfen. Das Foto mit dem Tango tanzenden Paar ist in einen ovalen Rahmen eingefügt, der von zwei Engel gehalten wird.

1911 El choclo Signatur Henri Armengol
Signatur Henri Armengol

Siehe auch Ausgabe mit Titelblatt von Paul Telemann.

PDF
– Noten
– Werbung am Ende der Ausgabe

HB
– Performance El choclo, Quartango and dancers Roxana & Fabian
–
Performance Tango for Three mit Eduardo Rojas / George & Jairelbhi Furlong beim Beethoven-Festival in Dallas (2014)