Chorsammlung des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes, 1929

Gemischte Chöre ohne Begleitung
Nur für Mitglieder - nicht im Handel erhältlich
Autoren/ Hg.
weitere Personen
Jahr
1929
Format
Rücken 18,5 – 22,5 cm

Infos/Kommentar

Chorsammlung des DAS Innentitel
Chorsammlung des DAS, Innentitel mit Stempel Musik-Hampe

Wer etwas über das Repertoire der Chöre des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes am Ende der Weimarer Republik erfahren möchte, der kommt an dieser Chorsammlung nicht vorbei. Der umfangreiche Band war nicht im Handel erhältlich, er wurde nur an Mitglieder des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes ausgegeben. Auf dem Innentitel findet sich der Hinweis: Eigentum und Verlag des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes Berlin S 14, Neu-Kölln am Wasser 22. Vorliegendes Exemplar stammt aus den Beständen des Verlags Musik-Hampe aus der Heinrichstraße 30 in Hannover (siehe Stempel).

Die Sammlung enthält über 300 Chorsätze für gemischten Chor, zusätzlich beinhaltet der 846 Seiten starke Band
– ein vorangestelltes kommentiertes Inhaltsverzeichnis (8 Seiten),
– ein alphabetisches Verzeichnis der Überschriften und Textanfänge (7 Seiten) am Ende des Bandes,
– weitere Anmerkungen zu den Liedern (S. 797-828), verfasst von Karl Lütge und Alfred Guttmann,
– ein alphabetisches Verzeichnis der Komponisten, Bearbeiter und Dichter,
– ein umfangreiches Vorwort von 21 Seiten.

Das Vorwort von Alfred Guttmann wurde im Mai 1926 für die erste Ausgabe verfasst, in der zweiten, hier vorliegenden Auflage wurden nur die sachlichen Fehler verbessert. Der Text ist eigentlich schon kein Vorwort mehr, sondern eine in fünf Kapitel gegliederte Abhandlung.

Kapitel I. Zum Geleit.
Kapitel II. Zur Vorgeschichte unserer Sammlung.
Kapitel III. Der Arbeitsplan unserer Sammlung.
Kapitel IV. Unsere Musiksammlung.
Kapitel V. Unsere Bilder.

Guttmann sieht die zweifache Aufgabe des Arbeiter-Sängerbundes
– in der Einstellung als politische Organisation der Arbeiterbewegung und
– in seiner kulturellen Wirksamkeit für den Volksgesang.

Im ersten Punkt sieht Guttmann kein Problem. Sein zentrales Anliegen ist die Steigerung der künstlerischen Qualität der Arbeiterchöre.
Ganz langsam erst erwuchs die Erkenntnis, daß es mit der p o l i t i s c h e n Aufgabe allein nicht genug war; daß man den Musikdurstigen nicht nur Tendenzchöre vorsingen, sondern durch die Kunst der Musik, durch den Gesang der Klassengenossen auch etwas S e e l i s c h e s geben sollte. (S. XI)

Er würdigt die Rolle Gustav Aldolf Uthmanns als „Erfinder“ der Tendenzchöre, kritisiert aber gleichzeitig deren künstlerischen Wert. Uthmann sei zwar „eng mit der Seele des Arbeiters verbunden“, man erweise ihm aber keinen Dienst, „wenn man seine Chöre neben die eines Schubert, eines Hegar, eines Othegraven, eines Lendvai auf das Konzertpodium stellte“.

Guttmanns abschließendes, nicht sehr schmeichelhaftes Urteil zu Uthmann: „Seine Tendenzchöre sind im Leben der Arbeiterschaft in erster Linie bei parteipolitischen und weltanschaulichen Massendemonstrationen am Platze.“ (S. XII)

Der Inhalt der Chorsammlung ist in sechs thematische Abschnitte gegliedert:
Teil I. Von Not und Arbeit, Kampf und Freiheit.
Teil II. Das Jahrhundert der Blüte des mehrstimmigen Gesanges (1500-1600). 
Teil III. Stimmen der Völker aus fünf Jahrhunderten.
Teil IV. Aufstieg der Harmonie. (Die 200 Jahre nach dem 30jähr. Krieg 1630-1830).
Tein V. Romantische Melodie in Kunst- und Volkslied.
Teil VI. Musik unserer Zeit.

Die Internationale darf in der ersten Abteilung natürlich nicht fehlen. Brüder, zur Sonne, zur Freiheit ist sogar mit zwei Chorversionen vertreten. Als Tendenzlied für Massenkundgebungen gilt die Komposition Morgenrot von Dirk Troelstra und Otto de Nobel. Insgesamt ist der „politische“ 1. Teil mit nur 29 Titeln sehr klein gehalten. Den weitaus größten Raum nehmen in der Sammlung die Teile II und III ein, die nach Ländern unterteilt sind. Am Ende von Teil III sind zwei „Negergesänge“ angefügt.

Auf die Beschaffung der ausländischen Lieder geht der Herausgeber Alfred Guttmann in seiner Einleitung ausführlich ein, insbesondere auf die zwei geistlichen Negerlieder aus der Zeit der Sklaverei (S. XXVII). Mehr dazu finden Sie unter dem Menüpunkt Lieder: Somebody’s knockin‘ at your door und Deep River.

Weitere Chor-Bearbeitungen aus dem Band:
– Nun leb wohl, du kleine Gasse (In der Ferne), S. 718
– Der Mai ist gekommen (Wanderschaft), S 719.

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Inhaltsverzeichnisse am Anfang und am Ende des Bandes