Friedrich Löhner-Beda

Trotz Welterfolgen - ein Unbekannter

Vorbemerkung

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Wiener Bohême-Verlag gegründet. Er entwickelte sich in kurzer Zeit zur wichtigsten Schlager-Schmiede der Zwanziger Jahre. Maßgeblichen Anteil daran hatte ein promovierter Jurist, der sich vor dem Weltkrieg entschloss, als Dichter sein Brot zu verdienen: Friedrich (Fritz) Löhner-Beda, kurz Beda genannt.

1920 Sonja 99
Rückseite Notentitelblatt Sonja, erschienen 1920, Nachdruck 1923

Anlässlich seines 50. Schlagertextes für den Wiener Bohême-Verlag (Wenn ich dich seh, dann muss ich weinen) gratulierte ihm der Verlag 1923 mit einer ganzseitigen Anzeige, die auf den Rückseiten von Schlager-Ausgaben abgedruckt wurden.

Unter den deutschsprachigen Textern und Librettisten der 20er-Jahre war Löhner-Beda einer der wichtigsten und finanziell wohl auch einer der erfolgreichsten. Wie kein anderer hat er den Schlager der Zwanziger Jahre geprägt mit Titeln wie Ausgerechnet Bananen, In der Bar zum Krokodil, Valencia, Es geht die Lou lila oder Was machst Du mit dem Knie, lieber Hans – Mit diesen Beda-Titeln verbindet man die Zeit zwischen den Weltkriegen. Aber man kennt weder seinen Namen, noch weiß man etwas über sein Schicksal. Als am 12. März 1938 deutsche Soldaten in Österreich einmarschierten, verließen viele von Bedas Künstlerfreunden das Land. Beda lehnte das ab, obwohl es kein Geheimnis war, was die Nazis mit Juden vorhatten. Als Mitbegrüder und Präsident des bedeutenden jüdischen Sportclubs Hakoah gehörte er zu den exponierten jüdischen Persönlichkeiten in Wien. Am 1. April 1938 wurde er in seiner Villa in Bad Ischl verhaftet.

Den folgenden Text über Beda habe ich 1994 geschrieben, er wurde bislang nicht veröffentlicht. Statt dessen enstand aus den Vorarbeiten in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Wolfgang Röben ein einstündiges Rundfunk-Feature (Erstsendung S 2 vor Mitternacht, 16.9.1995). Obwohl die damalige Quellenlage in Bezug auf Beda noch sehr dürftig war, sei der Text von 1994 hier unverändert wiedergegeben.

Beda

(Fassung 1994)

Beda Foto
Fritz Löhner-Beda

Lager Buchenwald, 7. April 1940. Zu später Stunde versammeln sich einige Häftlinge, um den 60. Geburtstag des Kabarettisten und Texters Fritz Grünbaum zu feiern. Zur Gestaltung der Feier haben die Kameraden etwas zu essen organisiert, abgespart von den ohnehin schon kärglichen Rationen im Lager Buchenwald. Obwohl von der täglichen Arbeit des Latrinen-Leerens total erschöpft, fehlt keiner der „Kolonne 4711″ bei der nächtlichen Geburtstagsfeier. 

1908 Musik fuer Alle Heft 4 71 Grünbaum
Fritz Grünbaum 1908, Zeitschrift Musik fuer Alle, Heft 4

Unter den Gratulanten ist auch Fritz Löhner, genannt Beda. Er hält eine kurze Rede auf seinen älteren Freund Grünbaum, worauf sich der gerührte Jubilar mit dem Vortrag eigener Gedichte bedankt.

Die beiden Freunde Fritz Löhner-Beda und Fritz Grünbaum kennen sich fast schon ein halbes Jahrhundert aus ihrer Wiener Jugendzeit. Vieles verbindet sie. Beide können sie auf große Erfolge als Schlagertexter und Dichter für Kabarett und Bühne zurückblicken. Jetzt gehören ihre Auftritte im Lager wie die vieler anderer Künstler auch zu den wenigen Momenten, in denen die Häftlinge von der Hölle der Gefangenschaft abgelenkt werden.

Sie schöpfen daraus Kraft zum Überleben, wie späteren Berichten ehemaliger Lagerinsassen zu entnehmen ist, wobei Löhner-Beda mehrfach auch namentlich hervorgehoben wird. Wer ist dieser Löhner-Beda?

Gemessen an seiner Bedeutung für die Schlagerproduktion der 20er-Jahre ist über das Leben des Friedrich Löhner eigentlich recht wenig bekannt. Vieles kann nur aus Äußerungen über ihn und seine Persönlichkeit geschlossen werden, wobei einige Quellen zweifelhaft bleiben.

Persönlich gekannt hat ihn der zum engeren Lehar-Kreis gehörende Bernhard Grun, der ihn so charakterisiert: „Eine starke, vehemente Persönlichkeit: blitzscharf von Verstand, athletisch von Gestalt, Jurist, Germanist, Offizier, grundmusikalisch, aggressiv, kühn, Ankläger alles Hohlen, Bösen und Scheinheiligen, Bewunderer alles Neuen, Unkonventionellen.“

Schon als Gymnasiast in Wien verspürt der 1883 in Wildenschwert (Böhmen) geborene Friedrich Löhner einen Hang zur literarischen Betätigung.  Es gelingt ihm, erste lyrische Versuche in der „Jugend“ und im „Simplizissimus“ unterzubringen. Da er wegen seines literarischen Engagements bei diesen Blättern Konsequenzen in der Schule befürchten muss, legt er sich das Pseudonym „Beda“ zu, abgeleitet von tschechischen Bedrich für Friedrich.

1920 Sonja 01
Sonja, 1920

Auch während des Studiums der Jurisprudenz, das er 1905 mit einer Promotion abschließt, geht er weiter seinen literarischen Neigungen nach.  Es erscheint der Gedichtband „Getaufte und Ungetaufte“.  Mit Kabarett-Beiträgen und politisch-satirischen Versen in der Wiener „Sonn- und Montagszeitung“ macht er sich in der Donau-Metropole einen Namen als geistvoller Literat.

Ein Kommilitone Bedas, der Freud-Schüler und bekannte Psychoanalytiker Dr. Theodor Reik berichtet: „Wir Studenten an der Wiener Universität zitierten oft die satirischen Gedichte des Wiener Schriftstellers Dr. Fritz Löhner-Beda, die oft an Heines Gedichte erinnerten.“  

Beda befindet sich als 25jähriger immer noch auf der Suche. Erste Annäherungsversuche zum Theater erfolgen 1913. Zu Nestroys „Mädel der Vorstadt“ liefert er die Texte der Gesangseinlagen, die Leo Ascher vertont. Für das Wiener Stadttheater folgt 1914 das Lustspiel „Der Herr Baron“. Kurz vor Kriegsausbruch entscheidet er sich endgültig – mittlerweile 31 Jahre alt –, das Schreiben zum Beruf zu machen.

Die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers in Sarajewo schlägt 1914 in Wien wie ein Blitz ein. Nach der Mobilmachung werden alle Theater in der Stadt geschlossen, allerdings nur für kurze Zeit. Gefragt ist die Kriegsoperette. Mit „Gold gab ich für Eisen“ von Emerich Kalman und Victor Léon (dem Librettisten von Lehars „Lustige Witwe“), einer sentimentalen Schnulze vom Heldentod, wird schon bald das Theater an der Wien wiedereröffnet. 

Fritz Löhner dient als Offizier in der k.u.k. Armee. Als Gegenpol zum Militärdienst verfasst er Operetten-Textbücher. In diese Zeit fällt auch seine erste Zusammenarbeit mit Franz Lehar. Ihre Operette „Der Sterngucker“ hat im Januar 1916 im Theater in der Josefstadt Premiere. Trotz hochkarätiger Besetzung fällt das Stück mit Pauken und Trompeten durch.

Für Beda ist es eine herbe Enttäuschung, dass die Presse kein gutes Haar an seiner Textvorlage lässt. Dagegen wird die Musik Lehars in den höchsten Tönen gelobt: „…dass solche Musik sich nicht um bessere und ihrer würdigere Textbücher rankt.“ Das ist bitter und trifft tief.

Nur zehn Jahre später soll es genau andersherum kommen: Beda verhilft durch seine Libretti zu „Friederike“ und „Das Land des Lächelns“ Lehar zum Erfolg.

1923 Wenn ich dich seh da muss ich weinen 01
Wenn ich dich seh da muss ich weinen, 1923

Nach Kriegsende herrschen Massenelend, Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit. Ein allgemeines Tanzverbot kann nicht verhindern, dass sich die Tanzwut explosionsartig entlädt, frei nach der Devise „Man lebt so kurz und ist so lange tot“.  Da fruchten auch keine moralischen Appelle wie: „Die Heimat tanzt auf den Schädeln ihrer Toten. Schluss mit solchen unwürdigen Lustbarkeiten!“  Das Foxfieber geht um. Alles schüttelt sich im Shimmytakt.

Und Beda lässt sich wieder auf ein neues Gebiet ein: das Schreiben von Schlager-Texten. Hier findet er sein Metier, in dem ihm fast alles mit Lockerheit und Treffsicherheit gelingt. Er ist vielseitig und erfolgreich wie kaum einer seiner Kollegen. Der Bogen spannt sich von „Sonja“, einer schwermütigen „Russischen Ballade“, in der die Fieberträume eines Häftlings in den Steppen Sibiriens geschildert werden, über frivol anzügliche Texte („Die Nacht war schwül“) bis hin zu belanglosen Nonsens-Liedchen. 

Eine seiner ersten Schlager-Nummern ist der „Dada-Foxtrot“, eine witzige Parodie auf den Dadaismus. Dem „indigo indigai / umbaliska / bumm DADAI“ des Dadaisten-Papstes  Richard Huelsenbeck hält Beda schlicht entgegen: „Gemalter Schrei: Spinat mit Ei. Creosot, bissel Jod, o Morgenrot. Idiot!“

Trotz seiner spöttisch-ironischen Kommentare für die Dada-Szene hätte so manche spätere Textzeile Bedas jedem eingefleischten Dadaisten zur Ehre gereicht. Ohne ein wenig Talent zum Dadaisten, was wohl per se in jedem Schlagertexter schlummert, hätte er nicht die großen Erfolge in den 20er-Jahren erzielen können.

Und der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten, denn Schlager haben Hochkonjunktur. Beda ist nichts heilig. Den Ausruf eines griechischen Gemüsehändlers im amerikanischen Schlager „Yes, we have no banannas“ verwandelt er in den Stoßseufzer eines gestressten Liebhabers: „Ausgerechnet Bananen, Bananen verlangt sie von mir!“.  Diese Zeile ist bald in aller Munde, ohne dass jemand merkt, dass es sich bei dem musikalischen Anfangsmotiv um eine geschickte Anleihe aus Händels weltberühmten „Hallelujah“ handelt.

1925 Valencia Titel
Valencia, 1925

Der gebildete Dr. Beda entwickelt ein ausgesprochen gutes Gespür für hitverdächtige ausländische Schlager. Er nimmt sich englischer, französischer, tschechischer oder spanischer Titel an und verpasst ihnen einen zugkräftigen deutschen Text, wobei „Valencia“ zum erfolgreichsten Schlager der 20er-Jahre wird.

Ab 1924 taucht immer häufiger das Gespann Beda/Richard Fall am Schlagermarkt auf. Richard Fall, der jüngste Bruder des bekannten Operettenkomponisten Leo Fall, findet in Beda einen kongenialen Partner. Die fast Gleichaltrigen, beide aus Böhmen stammenden Künstler, sind schon längere Zeit befreundet. Im Krieg hatten sie zusammen die Operette „Der Weltenbummler“ geschrieben.  Doch erst jetzt stellt sich mit den Schlagern der Erfolg ein. Das Erfolgsduo schwimmt ganz oben auf der Nonsens-Welle. Noch heute kennt man ihren Paso doble aus dem Jahre1925 „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?“, die Beschreibung eines Tölpels, der bei jedem Shimmy, jedem Blues seiner Tanzpartnerin auf den Füßen rumtritt.

Den Einfall zu der Blödelei „Wo sind deine Haare, August, August?“ (1926) soll ein Streich geliefert haben, den Beda mit seinen Freunden, den Zwillingen Goltz, in Bad Ischl einem neuen Friseurgehilfen gespielt haben soll.  „Beda ging mit einem von den Goltzs hin und hat zugesehen, wie der Friseur ihm die Haare geschnitten hat, angeblich ausgezeichnet. Dann wurde gezahlt und weggegangen und 5 Minuten später kam der andere Goltz und zeigte seinen ganz ungeschnittenen Kopf und sagte: Das war kein guter Haarschnitt. Der Bursche war ganz verstört, bis man ihm unter großem Gelächter den Spaß aufklärte.“                                                    

Diese, von seiner Schwägerin geschilderte Begebenheit scheint kein Einzelfall gewesen zu sein und wirft ein Licht auf Beda und seinen Freundeskreis. Erwachsene Männer um die Vierzig, die sich köstlich über solche Kindereien amüsieren. Und nicht nur das. So ganz nebenbei entstehen daraus auch noch erfolgreiche Schlager.

In Bad Ischl, dem noblen Kurort im Herzen des Salzkammerguts, wo Beda eine Villa besitzt, trifft er sich oft mit Kollegen wie den Goltz-Brüdern, Hermann Leopoldi und Oscar Straus. Es bleibt nicht aus, dass am Rande der Tarockpartien so mancher Plan für eine neue Operette ausgeheckt wird.

Auch Lehar zieht sich häufig nach Bad Ischl zum Arbeiten zurück. Für ihn schreibt Beda 1928 gemeinsam mit Dr. Ludwig Herzer das Libretto zu „Friederike“. Die Story dreht sich um Goethes Jugendliebe Friederike Brion, einer Pfarrerstochter im elsässischen Sessenheim. Obwohl die Operette sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt, ist die Kritik über das Textbuch außer sich vor Zorn. Wie kann es ein Schlagertexter wagen, sich an dem großen Dichter Goethe zu vergreifen und ihn auf die Operettenbühne stellen?

Ein Jahr später, genau zwei Wochen vor dem großen Börsenzusammenbruch am Schwarzen Freitag, kommt die nächste Produktion des Trios Beda-Herzer-Lehar zur Uraufführung – wieder am Berliner Metropol-Theater. Diesmal ist es vor allem Beda, der entscheidend zum Erfolg beiträgt. Bei der Umarbeitung der „Gelben Jacke“, einer früheren Lehar Operette, zum „Land des Lächelns“ gibt er keine Ruhe, bis Lehar auch den letzten Änderungsvorschlag akzeptiert. Als dann Richard Tauber bei der Premiere „Dein ist mein ganzes Herz“ anstimmt, ist zu ahnen, dass sich hier einer der größten Erfolge der Operettengeschichte anbahnt.  

Nur drei Jahre später erhält der gefeierte Tenor Richard Tauber in Deutschland Auftrittsverbot. Bereits 1932 werden im Berliner Metropol-Theater die Auftritte von Fritzy Massary durch „Juden-raus“-Rufe gestört. Die Massary zieht als eine der ersten die Konsequenz und verlässt mit ihrem Mann Max Pallenberg das Land.

Auch Tauber geht. In Wien, wo er vorerst noch sicher ist, wirkt er 1934 bei „Giudetta“ mit. Es ist die erste Beda-Lehar Operette, die den Sprung in die Wiener Staatsoper schafft. Gleichzeitig ist es für beide das letzte gemeinsame Bühnenwerk.

Anfang der 1930-Jahre arbeiten Beda und Alfred Grünwald sehr intensiv mit dem Komponisten Paul Abraham zusammen, der nach der Machtübernahme der Nazis 1933 Berlin verlassen muss, weil er Jude ist und seine Musik wegen der Jazzelemente als entartet eingestuft wird. Zu den erfolgreichsten Abraham-Beda Produktionen zählen „Viktoria und ihr Husar“ sowie „Die Blume von Hawaii“.

In den nächsten Jahren wird es still um Beda. Die politischen Ereignisse um ihn herum müssten ihn eigentlich unruhig machen. Mag sein, dass er in Wien nichts vom „Handbuch der Judenfrage“ mitbekommt, das wegen der großen Nachfrage 1935 bereits in der 38. Auflage verbreitet wird. In dem Artikel über „Das Judentum in der Musik“ taucht sein Name gleich mehrfach auf. Was die Nazis mit „den kranken Geistern, die einen bolschewistischen Gegenangriff auf die deutsche Kultur gestartet“ haben zu tun gedenken, kann ihm eigentlich nicht verborgen geblieben sein.

Nach dem Einmarsch der Nazis in Österreichs 1938 gelingt es noch einigen Juden zu entkommen. Tauber emigriert ein zweites Mal, diesmal nach England, Fritz Grünbaum versucht vergeblich, in die Tschechoslowakei zu flüchten. Fritz Löhner-Beda macht keinerlei Anstalten, vor den braunen Schergen zu fliehen. Er wird in seiner Villa in Bad Ischl verhaftet und ins KZ Dachau gebracht.

Vielleicht unterliegt er dem Irrglauben, dass man ihm bei seinen einflussreichen Freunden nichts anhaben könne. Aber wie sich später zeigt, kann auch Lehar, der sogar bei Hitler vorstellig wird, nichts tun, um den Freund aus dem KZ zu retten.

Von Dachau wird Beda kurze Zeit später mit 2200 Österreichern, darunter auch Fritz Grünbaum und Hermann Leopoldi, ins Lager Buchenwald verschleppt. 

Im Dezember 1938 wünscht sich der Lagerkommandant von Buchenwald, Rödl, ein Lagerlied. Er veranstaltet einen Wettbewerb unter den Häftlingen. Von den vielen eingehenden Entwürfen findet keiner die  Zustimmung der SS. Ausgewählt und zum Lagerlied erklärt wird das „Buchenwaldlied“, als dessen Verfasser sich ein Kapo der Poststelle ausgibt, ein Krimineller mit besten Verbindungen zur SS. In Wahrheit stammt das Lied vom Komponisten Hermann Leopoldi und dem Texter Fritz Löhner-Beda.

An einem verschneiten, bitterkalten Dezemberabend müssen alle Häftlinge auf dem Appellplatz antreten und bis tief in die Nacht vor betrunkenen SS-Leuten immer wieder das Buchenwaldlied singen. Die Nazis merken gar nicht, was ihnen da aus 11000 Kehlen entgegenhallt. Als hätte Beda die Situation vorausgeahnt, heißt es in der dritten Strophe: 

trotzdem Ja zum Leben sagen Buchtitel
... trotzdem Ja zum Leben sagen, Zeile aus dem Buchenwaldlied als Buchtitel, 1977/2006

„Die Nacht ist so kurz und der Tag so lang
doch ein Lied erklingt, das die Heimat sang,
wir lassen den Mut uns nicht rauben!
Halte Schritt, Kamerad, und verlier nicht den Mut,
denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut
und im Herzen, im Herzen den Glauben!“

Und manchen Häftling, der bei den Märschen zu den Steinbrüchen nicht mehr kann, richtet das Singen des Buchenwaldliedes wieder ein wenig auf:

„O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen
und was auch unsre Zukunft sei,
wir wollen trotzdem Ja zum Leben sagen;
denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei!“      

Durch Häftlinge – unter ihnen auch Leopoldi –, die dem Lager entkommen können, gelangt das Lied bis ins Ausland. Als Lied des Widerstandes bringen es alliierte Rundfunksender in ihren deutschsprachigen Programmen. 

Beda versucht mit Gedichten, sich selbst und seinen Kameraden immer wieder Mut zu machen.

„Doch mich frißt kein Tiger, mich schlägt kein Hai,
Der Tod geht täglich an mir vorbei.
An mir beißt der Teufel die Zähne sich aus.
Ich fühl‘ es: ich komm aus der Hölle heraus! Ich warte!“

Aus der einen Hölle Buchenwald geht es 1942 für Beda in eine noch schlimmere Hölle. Am 4. Dezember wird Friedrich Löhner-Beda in Auschwitz von den Nazis ermordet.



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