Gut & günstig

Klassik für´n A…

Edeka Klassik 2026
gut & günstig so weich Klassik, aufgenommen 2026

Man darf es ruhig laut sagen. Seit der größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler einem speziellen Hygieneprodukt den Stempel Klassik verpasst hat, ist es mit dem einst stolzen Begriff Klassik wohl endgültig gelaufen. Wenn jetzt schon Lokuspapier das Etikett Klassik trägt, was sind dann Goethe und Beethoven?

Aber ich will nicht voreilig urteilen, vielleicht habe ich ja etwas übersehen und in der Packung ist wirklich Klassik drin. Sind etwa einzelne Blätter mit Sprüchen von Goethe oder Schiller bedruckt? Vielleicht mit dem bekanntesten Goethe-Zitat, das auf Platt –  klei mi ann mors – ein wenig vornehmer klingt?

Es ließ mir keine Ruhe. Ich habe mehrere Rollen und auch alle 3 Lagen akribisch überprüft. Fehlanzeige. Es irrt der Mensch solang er strebt.

Nach Beethoven habe ich erst gar nicht gesucht, seine Werke passen sowieso nicht aufs Format. Vielleicht hätte ich nach Liedzeilen von Mozart suchen sollen. Ihm werden ja ein paar deftige Sprüche und Liedtexte zugeschrieben, die eine gewisse Nähe zu dem Produkt vermuten lassen. Aber das habe ich mir erspart. Die meisten Nutzer (heute sagt man wohl besser: User und Userinnen) dieses Produktes können ja eh keine Noten lesen.

Als aufgeklärter Zeitgenosse hätte ich es von Anfang an wissen müssen: Wo Klassik draufsteht, muss nicht unbedingt Klassik drin sein. Hatten nicht schon andere mit der Klassik ihren Schabernack getrieben? Die Versicherung mit ihrer Riester-Rente KLASSIK PLUS, der Baumarkt mit Laminatboden KLASSIC und der Discounter mit Wichmann´s CLASSIC-Ente. Da fehlte nur noch gut & günstiges Lokuspapier Klassik.

Jetzt ist die Klassik endlich nicht nur ganz unten, sondern auch ganz hinten angekommen: Klassik für´n A …






Facebook
Twitter
LinkedIn

Weitere Beiträge

Klassik Lokuspapier Mai 2026

Gut & günstig

Was bedeutet der Begriff Klassik noch, wenn alles Klassiker oder Klassik sein kann?

Adressbuch 1856 Hannover Annonce Ausschnitt

Gesangbücher in eleganten Einbänden

Ein Buchbinder und Galanterie-Arbeiter wirbt 1856 im Adreßbuch der Königlichen Haupt- und Residenz-Stadt Hannover und ihrer Vorstädte für Gesangbücher in eleganten Einbänden.