Zeitl. Einordnung
Als großes Vorbild für die FDJ und die Arbeiterjugend wurde von der DDR-Führung der Komsomol gepriesen. Dieser einflussreiche Jugendverband der KPdSU existierte von 1918 bis 1991 in der Sowjetunion.
Das Komsomolzenlied findet sich im Heft 2 der Reihe Das Lied im Kampf geboren! Lieder der Agitprop-Truppen vor 1945, erschienen bei VEB Friedrich Hofmeister, Leipzig 1959. Die Lieder sind in dem Band den einzelnen Agitprop-Truppen zugeordnet. Die Worte des Komsomolzenlieds stammen von der Berliner Gruppe Das Rote Sprachrohr. Zur Melodie heißt es: Weise nach einem sowjetischen Komsomolzenlied.

Erläuterung auf S. 26: Dieses Lied wurde zu einem beliebten Massenlied der revolutionären Arbeiterjugend. Mit verändertem Text war es später als deutsches Jungkommunistenlied bekannt. (S. 26)
Landwirtschaft und Industrie
produzieren wie noch nie
in der Sowjetunion.
Bauer, der so lange schlief
schafft jetzt mit dem Kollektiv
für die Sowjetunion
Im Betrieb: Komsomol!
Auf dem Land: Komsomol!
Überall Komsomol!
Bricht dem Sozialismus Bahn!
Ja, die Komsomolzen, was sind das doch für Kerle!
Knorke, knorke, knorke alle Mann!
Lenin spricht: Elektrokraft
mit am Sozialismus schafft
in der Sowjetunion.
Mit Traktor und Eisenbahnu
baun wir den Fünfjahresplan
für die Sowjetunion.
Im Betrieb: Komsomol! …
Technik und das Alphabet
bringt ins Dorf der Stadtprolet
in der Sowjetunion.
Volksverdummung ist gewesen,
heute lernt der Bauer lesen
für die Sowjetunion.
Im Betrieb: Komsomol!
Höre, deutscher Jungprolet!
Stolz die rote Fahne weht
in der Sowjetunion.
Kämpfe und verzage nie!
Kämpf mit aller Energie
für die Sowjetunion!
Im Betrieb: Komsomol! …
Das Komsomolzenlied ist Beispiel für ein wirkungsvolles Lied für Agitprop-Truppen-Einsätze. Die 8-taktige eingängigen Melodie des A-Teils geht sofort ins Ohr und wird auch noch wiederholt. Der Mittelteil mit den eingestreuten Rufen („Komsomol“) lädt das Publikum spontan zum Mitmachen ein:
Im Betrieb: Komsomol!
Auf dem Land: Komsomol!
Überall Komsomol!
Die Lobpreisung der Komsomolzen (Knorke, knorke, knorke alle Mann!) steht am Ende aller Strophen und wird – wie der Anfang – jeweils wiederholt. Bei vier Strophen also 8-mal.
In der DDR gehörte das Komsomolzenlied zum festen Repertoire der FdJ. Unter dem Titel Überall FDJ erschien es mit anderem Text im FDJ-Liederbuch Leben Singen Kämpfen. Der Oktoberclub brachte später eine Singeklub-Fassung heraus, die es zu einiger Popularität brachte. Der Text wurde „modernisiert“: Wie die Komsomolzen, haun wir auf den Bolzen. …
Übrigens …
… gab es bei den Straßenumbenennungen in der DRR in den 1950er-Jahren in fast allen Städten auch eine Straße des Komsomol. In Leipzig musste dafür der Kammerherr von Dieskau seinen Namen hergeben, der durch die Bauernkantate von Bach zu einiger Berühmtheit gelangte.
HB
– Komsomolzenlied von der Agitprop-Truppe Das Rote Sprachrohr
– Komsomolzenlied mit neuem Text vom Oktoberclub